Zur Schuleinführung gibt es einen neuen Bruder

Caritas Führer liest aus »Sag, dass du mein Bruder bist«.

Justus ist 5 Jahre alt, bekommt zur Einschulung eine Zuckertüte und einen neuen Bruder. Dieser heißt Mose, ist 4 Jahre alt und wird von Justus’ Eltern adoptiert. Allerdings sieht Mose ganz anders aus als er, denn dieser hat einen afrikanischen Vater und somit auch eine andere Hautfarbe. Das bringt nicht nur das Leben der Eltern völlig durcheinander, sondern auch Justus, der sich eigentlich über einen Bruder freut. Justus ist anfangs manchmal genervt, besitzt aber dennoch Freude daran, Mose alle Dinge beizubringen, die er als älterer Bruder schon gelernt hat. Auch Justus’ Freund Zack findet Gefallen an Mose und zusammen setzen sein sich mit aller Kraft an einem Winterabend für ihn ein.

sagDas Buch »Sag, dass du mein Bruder bist« ist perfekt für Kinder von 9 bis 13 Jahren. Aus der Sichtweise von Justus und Mose geschrieben, schafft es Führer, den Leser mit einer gewissen Leichtigkeit an das Thema Integration heranzuführen. Aus schwierigen Situationen werden mit Hilfe von kindlichen Äußerungen schnell witzige Wendungen, mit denen sich so mancher Erwachsener schwergetan hätte. Der Schreibstil ist flüssig, angenehm und der Text in kurzen Sätzen verfasst. Mittels kindlicher Wörter wie »Kitzelbart« und »Zack« für Roberts Spitznamen kreiert Früher einen humorvollen und spritzigen Ausschnitt wie aus dem Leben gegriffen.

»Mein Name ist Caritas Führer, wie der Reiseführer damit keiner auf andere Gedanken kommt«, beginnt Führer ihren Einstieg an die 7. Klasse gerichtet, die der Lesung im Schulmuseum lauscht – bei so einem hitzigen Thema eine gute Wahl, um die Atmosphäre aufzulockern. In dem kleinen etwas beengenden Klassenraum hören ungefähr vierzig Schüler mit anfänglich unruhiger Haltung, später jedoch mit angeregtem Interesse zu. Die Autorin ist durchgehend sympathisch, herzlich und gewillt, mit den Kindern zu kommunizieren, um sie zum besseren Verständnis an das Thema Integration heranzuführen. Abwechslungsreich list Führer aus ihrem Buch und schafft in ihren Pausen eine lebendige Interaktion mit den Schülern, die während der Lesung immer wieder untereinander belustigte Blicke austauschen und ihr Mitgefühl durch Seufzer zum Ausdruck bringen. Viele haben eigene Erfahrungen gesammelt, die allesamt negativ ausfallen.

So wurden z.B. junge Fußballer mit afrikanischem Hintergrund verprügelt. »Wie sollte die Strafe für die bösen Jungs im Buch aussehen?«, lautet die Frage an die Klasse. Dabei gibt es Antworten wie: »Köpfen!«, aber auch sittlichere Lösungen wie »Sozialarbeit«. Interessant ist auch eine Aussage zweier syrischer Mädchen, die mit einem Lächeln behaupteten: »Für die Deutschen muss immer alles perfekt und pünktlich sein«, sie bringen den gesamten Klassenraum zum Lachen.

Caritas Führer bei der Lesung im Schulmuseum 2016. © Franz Wonnay
Caritas Führer bei der Lesung im Schulmuseum 2016. © Franz Wonnay

Auch Caritas Führer, die zurzeit in Griechenland lebt, stimmt mit ein, gibt aber zu bedenken, dass Pünktlichkeit durchaus ihre Vorteile hat. Basis für das Buch waren eigene Erfahrungen, die sie durchlebte, weil sie selbst einen farbigen Adoptivsohn hat und sich immer wieder Beleidigungen stellen musste. Die Schimpfnamen »Kohlestift« und »Schokobubi« aus ihrem Buch hat sie sich nicht ausgedacht, sondern aus der Vergangenheit übernommen. Die Bilder auf dem Cover und im Buch hat Tom Weber von der Kunstschule Christine Richter gemalt. Abschließend teilte Führer fünf Weisheiten von Mahatma Gandhi aus, die sie sich jeden Tag ins Gedächtnis ruft, und schließt die Lesung mit den Worten: »Keiner hat das Recht auf andere herabzublicken.«

»Sag, dass du mein Bruder bist« kann seit fünf Jahren im Buchhandel erworben werden. Die Kinder aus der 7. Klasse sind der Meinung, dass es nie früh genug ist, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen.


Die Veranstaltung: Caritas Führer liest aus Sag, dass du mein Bruder bist, Schulmuseum Leipzig, 17.3.2016, 11 Uhr

Das Buch: Caritas Führer: Sag, dass du mein Bruder bist, Manuela Kinzel Verlag, Dessau-Roßlau, 2011, 148 Seiten, 14,95 Euro, E-Book 9,99 Euro


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Der Rezensent: Franz Wonnay

 

 


 

 

 

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