Wo Tierschutz anfängt und aufhört

Dr. Andrea Flemmer, Ernährungswissenschaftlerin und Diplom-Biologin, klärt in ihrem Werk „Tierschutz mit Messer und Gabel“ über artgerechte Nutztierhaltung auf.

Wie der Name schon vermuten lässt: Tierschutz mit Messer und Gabel zeigt, wie Tierschutz und Tierliebe auch mit dem Konsum von Fleisch und Tierprodukten einhergehen können.

Ein erstes Durchblättern vermittelt ein ausschließlich positives Bild. Idyllische Illustrationen, die ausschließlich die Paradebeispiele artgerechter Nutztierhaltung präsentieren. Was auch Sinn macht, da ja nicht auf einen resoluten Verzicht auf Fleisch plädiert wird. Wie sich aber bei der Lektüre zeigt, finden sich abschreckende Mittel an anderer Stelle. Die ersten Kapitel machen alles andere als Lust auf eine artgerechte Bio-Fleischernährung. So muss man sich mit dem traurigen Ist-Zustand konfrontiert sehen. Vieles davon ist mittlerweile allgemeinhin bekannt, jedoch setzen sich wahrscheinlich die meisten im Alltag weniger detailliert mit den gängigen Methoden der Nutztierhaltung auseinander.

Doch über eine Auflistung der schlechten Zustände hinaus bietet das Buch eine umfassende Aufklärung. Lösungsvorschläge und Alternativen zu herkömmlichen Verfahren werden angebracht, unterschiedliche Grade an Tierschutz bei Fleischkonsum vorgestellt – von konventioneller Tierhaltung über EU-Bio zu Bio-Verbänden und deren individueller Abstufung. Dabei betrachtet die Autorin differenziert sowohl Für als auch Wider und überlässt es dem Leser selbst, zu entscheiden, worauf er Wert legt und gibt ihm Hinweise, wie er Produkte erkennt, die diesen Ansprüchen entsprechen. Die umfassende Quellenliste, auf die hier Bezug genommen wird, gibt kaum Potential, an den Fakten Anstoß zu nehmen – jedenfalls zum Stand der Veröffentlichung.

Denn zu beachten ist, dass dies eine Auflage von 2015 ist. So stellt sich die Frage nach der Aktualität des Untersuchungsgegenstandes. Manche der angegebenen Webseiten als Anlaufstellen für Eigenrecherche sind nicht mehr existent, weiterhin gilt beispielsweise die Methode des Schnabelkürzens seit 2017 als verboten und findet keine Anwendung mehr. Dennoch wird dadurch umso deutlicher, welche Entwicklungen in den letzten Jahren eben noch nicht stattgefunden haben, denn viele andere beschriebene Techniken sind noch immer gang und gäbe.

Wie es geht, das zeigt Dr. Andrea Flemmer. Was noch fehlt ist Eigeninitiative und die Bereitschaft, selbst etwas beizutragen.


Das Buch: Andrea Flemmer: Tierschutz mit Messer und Gabel. Spurbuchverlag, Baunach 2015, 288 Seiten, 29,80 Euro


Die Rezensentin: Vanessa Köhler

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