»Wir kommen«

Ronja von Rönne liest aus ihrem Debüt-Roman im Rahmen der L3.

»Die Frau sah so aus wie jemand, der seinen Laptop Schlepptop nennt. Ihr Freund stand daneben und sah aus wie jemand, der Wortspiele wie Schlepptop lustig findet.« Das Publikum lacht und es fühlt sich an, als säße man inmitten einer Unterhaltungsshow. Ein Lacher jagt den nächsten.

Mammana_Foto vonRönne1_2016-03-17Ihren ersten Roman »Wir kommen« hat Ronja von Rönne aus Eitelkeit geschrieben – eine Problematisierung ihrer Komplexe, die sie nur so lange hat, bis sie ein Problem mit der Zeit hat. Wer Handlung erwartet, solle wieder nach Hause gehen, soviel zum Inhalt des Buches. Sie hatte einfach keine Zeit letzten Sommer! Leicht blasiert aber ehrlich resümiert sie über den Schreibprozess des Romans, der im Gegensatz zu Artikeln, die von Rönne für die WELT schreibt, viel Zeit für sich beanspruchte, wie sie zugibt. Ihre polarisierende Performance zum Feminismus, die von Rönne letzten Sommer über Nacht prominent gemacht hat, kostete sie sicher viele Nerven, die hätte sie mal besser ihrem Werk widmen sollen. Bei Vertragsunterzeichnung mit dem Verlag gab es weder Titel noch Ideen für das Buch, verkündet die Autorin ganz unverblümt im Gespräch mit dem Moderator Thomas Klupp.

Jetzt blättert sie in ihrem Buch, beginnt dann doch mit der ersten Seite und dann ist es auch schon vorbei. Die Szene endet mit: »Ich weiß noch nicht, was ich heute Abend mache. Vielleicht markiere ich etwas mit ›gefällt mir‹«. Sie schaut auf und nippt lasziv an ihrem Rotwein, ihre gewollt verschmiert geschminkten Augen rollen zum Publikum. Alle lachen wieder! Im rot beleuchteten Kellergewölbe der Moritzbastei sitzen viele Mittfünfziger, viele Männer, die ganz gierig darauf warten, bis von Rönne nun endlich eine der Sexszenen verliest, die sie selbst recht unspektakulär abtut. Was von Rönne wirklich über Sex schreiben würde, würde sie erst verraten, wenn ihre Familie im Jenseits angekommen ist, sagt sie. Deshalb liest sie lieber schnell den Abschnitt vor, den alle Welt auf YouTube hören kann – über die Tage, die es wert sind, aufgeschrieben zu werden, an denen man aber vor lauter Erlebnissen keine Zeit hat sie aufzuschreiben – enttäuschend, die Wahl der Textauszüge.

Außer Partys, auf die man geht, weil es eben Leute gibt, die Partys machen, weil sonst keiner zu Besuch kommt, und inneren Monologen der Hauptfigur Nora über all das, was sie unfassbar nervt, passiert jedenfalls nicht viel in ihrem Roman. Alles dreht sich um eine verworrene polyamore Beziehung: Nora, Leonie, Karl und Jonas lieben und verachten sich und fahren in den Urlaub. Nora ist eifersüchtig auf jeden Gegenstand mit weiblichem Artikel. Die Dialoge sind abgeschmackt. Da kommt nichts. Von Rönne hat Talent, diffizile Situationen zu erkennen, sie verlieren aber ihren Charme, da ihnen einfach der Tiefgang fehlt. Was die Autorin beschreibt, ist flach, nichts Neues. Eben Gedanken, die man so mit sich durch die Gegend trägt, sprachlich schön verpackt und aufgeschrieben. Alles wirkt chronisch ermüdend und berechenbar. Lauter Applaus. Wir gehen.


Die Veranstaltung: Ronja von Rönne liest aus WIR KOMMEN, Moderation: Thomas Klupp, Moritzbastei, 17.3.2016, 20.15 Uhr

Das Buch: Ronja von Rönne: WIR KOMMEN. Aufbau Verlag, Berlin 2016, 208 Seiten, 18,95 Euro, E-Book 14,99 Euro


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Die Rezensentin: Diana Mammana

 


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