»Wine and Dine« mit Klett-Cotta

Weißwein, Neuerscheinungen & Theorien über Salinger.

Der Klett-Cotta Verlag hat festgestellt, dass Blogger eine nicht zu vernachlässigende Größe im Buchgeschäft darstellen. Daher wurde eine bunte Mischung eben dieser am Messedonnerstag zu einem Abendessen in jedermanns Lieblingsitaliener »Alfredo« eingeladen. In der »Taverna«, dem holzdominierten Keller des Restaurants, saß man mit Lektoren, Koordinatoren, PR-Leuten und verlegerischen Geschäftsführern an provisorischen Tafeln. Klassentreffen-Feeling. Wie Tom Kraushaar feststellte, genügte das Ambiente in diesem Falle nicht, um die Bloggerwelt nachhaltig zu bestechen. Glücklicherweise war das nach diesem auch Abend unnötig.

Jan Snela beginnt die Runde der Buchvorstellungen mit einem Einblick in »Milchgesicht«. Während man beim heimischen Anlesen nicht umhin konnte zu vermuten, dass da jemand Mama und Papa beweisen möchte, wofür das Germanistik Studium gut war, belebt der Autor seine Worte mit ungeahnter Lebendigkeit und Authentizität. Sein »Bestiarium der Liebe« ist kunstvoll, das kann man sowohl im Hinblick auf die Satzkonstrukte, als auch die Symbolik festhalten. Ein Mann verwandelt sich auf dem Weg zur Tankstelle in ein Einhorn. Gründe gibt es genug. Wer das auch so sieht, wird sich gern in »Milchgesicht« verlieren.

Die nötige Bodenhaftung erlangt man an meinem Ende des Tisches bei Weißwein, Vorspeisenplatten und Theorien über Salingers Neigung zu kindlicher Unschuld, zurück.  Endlich, endlich geht es dann zumindest kurz nach Nightvale. Cecil Palmer wird durch Marina Weisband würdig vertreten und der Charme der verqueren Podcast-Welt erschließt sich aufgrund kohärenter Erzählstruktur auch Neueinsteigern. Seit Douglas Adams wurde die Symbiose von Absurdität und Logik nicht mehr derart glänzend dargelegt.

Daniel Goetsch im Alfredo © Laura Gerlach
Daniel Goetsch im Alfredo © Laura Gerlach

Nach einem Kohlenhydrat-Overkill durch Pizza und Pasta stellt Daniel Goetsch, der durch vermehrte Stöße seines Hinterkopfes am Mobiliar ohnehin schon einen schweren Start hatte, sich der Aufgabe, die Aufmerksamkeit der Anwesenden ein letztes Mal zu gewinnen. Sein Buch »Ein Niemand« hat Seele, die Storyline ist originell. Nichtsdestotrotz drängelt sich die Versammlung langsam Richtung Anschlussveranstaltung. Ein Lektor wurde bereits vorgeschickt, da die Veranstaltung um 21 Uhr beginnt und »jetzt ist es kurz nach und irgendwer muss ja da sein«. Leider werden die Umstände dem gelesenen Wort nicht mehr gerecht. Der Klett-Cotta angehörige Tropen Verlag feiert im BauBau und es scheint, alle wollen schleunigst genau da hin. Im Gedrängel spricht mich Gideon Böss, der Autor hinter »Deutschland deine Götter« an. Er möchte wissen, was meine Rolle in all dem hier ist. Nachdem das geklärt ist, drückt er sein Interesse an der Bloggerlandschaft, insbesondere deren Buchrezensionen, aus. Wir sind uns einig, der Charme der Blog-Kritiken liegt in der größeren Unbefangenheit unabhängiger Leser und deren unbändiger Lust aufs gedruckte Wort. Selbst die Verrisse seien aus deren Tastatur wertvoller, so Böss. Und das glaub ich ihm sogar. »Deutschland deine Götter« liegt jetzt auf meinem Schreibtisch. Ich hoffe, nicht »wertvoll« darüber urteilen zu müssen.


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Laura Gerlach

 

 


 

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