Weißkraut, Feuerlamm und Fischcurry

Markus Berges stellt seinen zweiten Roman »Die Köchin von Bob Dylan« vor.

Eine kleine Menschentraube steht vor der Schaubühne Lindenfels, die hell erleuchtet in der dunklen Karl-Heine-Straße thront. Die roten Sessel im kleinen Saal der Schaubühne wirken einladend, und auf einer Leinwand ist bereits ein ansprechendes Buchcover zu sehen: »Die Köchin von Bob Dylan«, der zweite Roman von Erdmöbel-Sänger Markus Berges. Zu Beginn der Lesung erklingt ein Mädchenchor, Berges tritt auf, setzt sich und beginnt direkt zu lesen.

Im Buch geht es um Jasmin, die bei Bob Dylan als Tourköchin anheuert und an ihrem ersten Einsatzort, der Ukraine, auf ihre familiären Wurzeln gestoßen wird. Die Frage, ob das Werk »dylanistisch« oder in der Tradition von Jules Vernes »Der Kurier des Zaren« gelesen werden muss, steht erkenntnisleitend über der gesamten Lesung.

Markus Berges. © Eskimas
Markus Berges. © Eskimas

Der Moderator Lothar Berndorff diskutiert mit Berges heiter über die vermeintlichen Essgewohnheiten berühmter Musiker. So soll Bob Dylan am liebsten Weißkraut, Feuerlamm und gelbes Fischcurry essen. Hauptsache es wird mit »Mojo« gekocht, und die Köchin »überrasche ihn, ohne ihn zu überraschen«. Und ein Fan dürfe sie auf keinen Fall sein. Und alleine habe Bob Dylan immer gegessen.

Berges stellt seine Protagonisten liebevoll vor und liest aus jedem Teil seines Buches kurze Passagen, mal unterlegt mit Bildmaterial, das er selbst in Odessa sammelte, mal begleitet mit Musik von den Bee Gees. Man lernt mit Jasmin die neue Arbeitswelt der Köchin kennen, friert und leidet mit Florentinius Malsam in Odessa, und zwischendurch nehmen Berndorff und Berges einzelne Aspekte auseinander.

U1_978-3-87134-709-2.inddDie Lesung wird zum Hörspielerlebnis, denn Berges’ sonore Stimme lässt einen tief eintauchen in die Welt seiner Hauptfiguren. Mancher im Publikum entschwebt geradezu, zwei Hörer schlafen selig in ihren Sesseln. Mit zunehmender Zeit werden auch die Themen ernster und dunkler. Schließlich geht es noch darum, ob Dylan tatsächlich die Reinkarnation von Anton Tschechow sei, wie die Dylanisten es behaupten. Jedenfalls entstand deswegen das Covermotiv, eine Zeichnung der Belaya Dacha, der Villa von Tschechow, die auch im Roman eine Rolle spielt.

Insgesamt versprach der heitere Auftakt der Veranstaltung einen unterhaltsamen und bunten Abend, ein Potpourri der Memoiren der Köchin. Jedoch ergaben die vielen verschiedenen Themenkomplexe kein Ganzes und ließen die Zuhörer mit einigen Fragezeichen im Kopf zurück.


Die Veranstaltung: Markus Berges liest aus Die Köchin von Bob Dylan, Lesung und Gespräch, Moderation: Lothar Berndorff, Schaubühne Lindenfels, 17.3.2016, 21 Uhr

Das Buch: Markus Berges: Die Köchin von Bob Dylan. Rowohlt Berlin, Berlin 2016, 288 Seiten, 19,95 Euro, E-Book 16,99 Euro


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Die Rezensentin: Saskia Wilcke

 


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