Warum man doch mal darüber nachdenken könnte, Kinder zu bekommen

Ralph Caspers und Ulrich Hoffmann teilen ihr Vaterglück mit den Messebesuchern.

»Ab in die Dertschi!« – »Bitte Wohin?«, mag sich so mancher fragen, wenn er den Titel des Buches von Ralph Caspers und Ulrich Hoffmann zum ersten Mal hört oder liest. Erst die Unterüberschrift »33 Familiengeschichten, die passieren, wenn man sie nur lässt« bringt den Leser auf die Spur, dass es sich dabei nicht um einen Reiseführer zu einem besonders exotischen Ziel handelt. Viel mehr präsentieren der »Wissen macht Ah!«-Moderator Caspers und der Bestsellerautor Hoffmann den zahlreichen Familien und einigen Pressevertretern, die an diesem Sonntagvormittag in den Saal 5 des Kongresscenters gekommen sind, eine Sammlung wunderbarer Momente aus ihrem Leben als Familienväter.

Die Titelgeschichte erzählt von einem Missverständnis aus dem Italienurlaub, in dem die Kinder mit dem »Arrivederci!«, mit denen die Italiener sie verabschiedeten, einfach nichts anfangen konnten und eben »Ab in die Dertschi!« verstanden. Wo diese »Dertschi« liege, wüssten sie zwar auch nicht, aber es müsse wohl ein Ort sein, der ziemlich weit entfernt liege.

Liebevoll wird in dem Kapitel die kindliche Logik in Wort und Schrift analysiert und anhand weiterer Beispiele gelingt es spielend, die anwesenden Eltern sichtlich und hörbar zu amüsieren. Auch deren Kinder wirken nicht gelangweilt. Vielleicht liegt es an der vertrauten Stimme aus dem KiKa oder den Grimassen, die Ralph Caspers beim Lesen schneidet, etwa um die Kombination aus Augenrollen und Zunge-Herausstrecken zu illustrieren, mit der sein Sohn ihm manchmal seine Zweifel oder Missbilligung ausdrücke.

caspers 1e.inddIn den nun folgenden im Wechsel gelesenen Geschichten übertrumpfen sich die beiden Autoren mit herrlich pointierten Momentaufnahmen, die zeigen, wie bereichernd ein Alltag mit Kindern sein kann, wenn man sich darauf einlässt. Einige wird es überraschen, was alles mit der »Generation Smartphone« möglich ist, wenn ein Vater dem Drang widersteht, aus Bequemlichkeit oder mangelnder Kreativität die Kinder vor dem Fernseher zu parken und stattdessen »ganz unelektrisch« mit ihnen unförmige geometrische Figuren bastelt oder Tretbootfahren geht. Die Schilderungen sind voller Selbstironie, gerade bei der Überwindung von Basteltraumata oder den Versuchen neue Trendsportarten auszuprobieren.

Caspers und Hoffmann spielen sich nicht als »Superdaddies« auf. Sie fürchten keine Infragestellung ihrer Männlichkeit, wenn ein Vater beschreibt, wie er verliebt seiner Tochter beim Anfertigen einer Bastelskizze zusieht. Auch auf Machogehabe und Seitenhiebe in Richtung des anderen Geschlechts wird verzichtet.

Ihr teamorientiertes Familienbild scheint anzukommen und sorgt eine ganze Stunde lang für Aufmerksamkeit, wissendes Nicken, Schmunzeln und zum Teil auch für schallendes Gelächter im Publikum. Der vom Messetrubel abgeschirmte Raum bietet den offensichtlich geübten Vorlesern eine gute Akustik und sie lassen sich auch durch gelegentliches Handyklingeln oder Babygeschrei nicht aus der Ruhe bringen.

Einzig die anstehende Fragerunde lässt Caspers dann doch kurz ins Schwimmen geraten. Offenbar hat er mit seiner Souveränität den Eindruck erweckt, er sei ein wandelndes Lexikon. Vielleicht liegt es auch nur an der Uhrzeit – Sonntag: 11.30 Uhr, Zeit für die »Sendung mit der Maus – oder der vertrauten »Wissen macht Ah!«-Stimme. Jedenfalls meldet sich eine Mutter in Begleitung ihrer kleinen Tochter, die nicht etwa eine Frage zum Buch stellt, sondern von dem Moderator erklärt haben möchte, wie denn eine Kuckucksuhr funktioniere. Da muss selbst Caspers lächelnd passen und erwidert, dass man sich »manchmal auch eingestehen darf, dass man etwas nicht weiß.«


Die Veranstaltung: Lesung zum Familiensonntag mit Ralph Caspers und Ulrich Hoffmann, CCL Saal 5, 20.3.2016, 11Uhr

Das Buch: Ralph Caspers und Ulrich Hoffmann: Ab in die Dertschi! 33 Familiengeschichten, die passieren, wenn man sie nur lässt. Campus Verlag, Frankfurt/New York 2016, 230 Seiten, 16,95 Euro, E-Book 14,99 Euro


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Die Rezensentin: Hanna Haupt

 


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