Von wegen nur grausam und nicht lustig

In der Kriminacht »Krekeler killt« stellt das Autorenduo Ule Hansen seinen Thriller vor.

»So viel, wie heute Abend gestorben wird, wird es nicht mal im deutschen Fernsehen«, eröffnete Moderator Elmar Krekeler die Kriminacht im Kulturhafen in Plagwitz. Denn auf der Bühne des Riverboats saßen einige Krimiautoren, um dem Publikum bei einem Glas Wein ihre Bücher vorzustellen. Neben Susanne Goga, Felix Leibrock, Simone Buchholz und Christian Klier beeindruckte vor allem das Autorenduo Ule Hansen mit seinem neuen Thriller »Neuntöter«, der zugleich der Auftakt einer Trilogie ist. »Ein ganz und gar witzfreies Buch«, bemerkte Krekeler.

Neuntoeter von Ule Hansen
Neuntoeter von Ule Hansen

Die Neuerscheinung trägt einen verheißenden Titel und bezieht sich damit auf die Vogelart, die dafür bekannt ist, ihre Beute auf Dornen aufzuspießen. Gleich zu Beginn der Handlung werden drei Leichen gefunden. Nahezu komplett eingewickelt in Panzertape-Kokons hängen sie unentdeckt von der Spitze eines Raumgerüsts mitten in Berlin. Da das Gerüst hinter einer Wandkulisse verborgen liegt, sieht es für Außenstehende wie ein normales Gebäude aus, und die Leichen bleiben lange unentdeckt. Mit der Aufklärung der Morde wird die Fallanalystin Emma Carow beauftragt. Doch statt Unwohlsein empfindet die traumatisierte, ungewöhnliche Protagonistin Freude darüber. Ihr unheimliches Gespür für Serientäter kann sie bald unter Beweis stellen.

»Emma ist fast so ein Monster wie die Monster, die sie jagt«, erklärte Eric T. Hansen mit seinem amerikanischen Akzent. Er bildet den männlichen Part des Duos Ule Hansen, zog vor ungefähr 30 Jahren von Hawaii nach Deutschland und arbeitet seither als freiberuflicher Journalist und Autor. Mit seiner Lebensgefährtin und Co-Autorin Astrid Ule, die auch als Lektorin arbeitet, las er abwechselnd aus ihrem gemeinsamen Buch vor. Die Szene, die Emmas Trauma verursachte, wollte Hansen aber lieber aussparen, da sie »zu brutal für eine öffentliche Lesung« sei. Das ohnehin schon durch die Grausamkeit der Morde strapazierte Publikum lachte erleichtert.

Ule Hansen alias Eric T. Hansen und Astrid Ule mit der Rezensentin. © Jasmin Klein
Ule Hansen alias Eric T. Hansen und Astrid Ule mit der Rezensentin. © Jasmin Klein

Danach begannen die Autoren, über die Geschichte und deren Entstehung zu erzählen. Sie erklärten, wie sie sich lauthals über Szenen und Handlungen des Buchs gestritten haben. »Das war auch nicht schön für die Nachbarn«, ergänzte Hansen. Als Krekeler das Paar auf das im Thriller genutzte Raumgerüst ansprach, bezeugten sie, dass es dieses »Gebäude« wirklich gebe. Durch die Plakatfassade würde es in Berlin jedoch nicht auffallen, ein Haus, das gar kein Haus sei. »Offensichtlich ist in dieser Stadt so einiges nur Kulisse«, fügte Astrid Ule hinzu und bewirkte einige Lacher in den Publikumsreihen.

Der Kontrast zwischen der ansprechenden, humorvollen Art der Autoren und der Beklemmung auslösenden Geschichte war an diesem Abend so deutlich wie angenehm. Eine Frau kam nach der Lesung begeistert auf die beiden zu: »Sie sind ja so ein tolles sympathisches Paar!« Und damit gab sie wohl den Eindruck mehrerer der Zuhörer wieder.


Die Veranstaltung: Krekeler killt: Kriminacht, mit Ule Hansen, Susanne Goga, Felix Leibrock, Simone Buchholz und Christian Klier, Moderation: Elmar Krekeler, Kulturhafen Riverboat, 18.3.2016, 20 Uhr

Das Buch: Ule Hansen: Neuntöter, Heyne Verlag, München 2016, 496 Seiten, 16,99 Euro, E-Book 12,99 Euro


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Die Rezensentin: Jasmin Klein

 


 

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