Von Politik, Engeln und Science-Fiction

Laurie Penny liest aus ihrem ersten Kurzgeschichtenband »Babys machen & andere Storys«.

»Die wichtigste junge Feministin« – eine Zuschreibung, die Laurie Penny mittlerweile weltweite Bekanntheit verschafft und auch in Deutschland berühmt gemacht hat. Mit ihren Büchern »Fleischmarkt« und »Unsagbare Dinge« gab sie sich kampfeslustig und bestimmt – doch die Britin kann auch Belletristik: In »Babys machen und andere Stories« fasst sie einige ihrer Kurzgeschichten zusammen, das Buch wurde nur auf Deutsch veröffentlicht.

Am Samstagabend in der naTo spricht sie mit der Journalistin Meredith Haaf vor vollem Haus – die Sitzplätze sind nach wenigen Minuten belegt und als die Lesung anfängt, sind auch die Stehplätze ein rares Gut geworden. Ein Umstand, für den sich Penny direkt höflich entschuldigt, denn: »Ich als Britin entschuldige mich jedes Mal zu Beginn.« Die Lacher sind auf ihrer Seite und die Sympathie des Publikums auch. Die glänzend gelaunte Autorin beginnt, aus einer Kurzgeschichte zu lesen, in der sich ein Engel ständig in Menschen verliebt. Auch die anderen Geschichten finden in Science-Fiction-artigen Settings statt: Eine Ingenieurin, die sich ein Baby baut, Kobolde, die diskriminiert werden, staatlich als Kunstform subventionierter Serienmord. Haaf und Penny sprechen über die Liebe zur Science-Fiction, die in der Welt der »ernsthaften Literatur« oftmals belächelt wird. »Es ist, als hätte man ein Geheimnis«, grinst Penny »und erzählt es nur hinter vorgehaltener Hand weiter.« Penny ist anzumerken, wie gern sie sich in unmögliche Geschichten hineindenkt: »Oft denke ich mir: ›Das ist eine gute Story, aber sie wäre noch besser, wenn Drachen darin vorkämen.‹«

geb_SUNach Pennys Ansicht findet die Faszination für Science-Fiction ihren Ursprung in der Unsicherheit der Menschen – sie möchten irgendeine Vision für ihre Zukunft haben, selbst wenn es sich dabei um eine Dystopie handelt. Und weil für sie Politik nicht eindeutig von anderen Lebensbereichen abzugrenzen ist, enthalten selbst ihre fiktiven Geschichten einen Denkanstoß oder behandeln ganz subtil politische Themen. »Science-Fiction ist immer politisch. Selbst, wenn man das gar nicht will«, erklärt Penny. Das merkt man ihren Geschichten an: Sie handeln von Ausgrenzung, von Sexismus und Rassismus. Themen, die Penny in ihrer journalistischen und aktivistischen Arbeit immer wieder anspricht. Und so dreht sich das Gespräch der beiden Journalistinnen weg von der Literatur hin zu politisch hochbrisanten Themen. Penny und Haaf diskutieren sich in Windeseile durch die Flüchtlingspolitik, Kapitalismuskritik und intersektionalen Feminismus – die Zeit drängt und die Themen sind groß.

Am Ende fällt Penny dann doch kurz aus der Rolle der höflichen Britin: Auf die Frage einer Zuschauerin, was sie von rechten Politikerinnen wie Marine Le Pen oder Frauke Petry hält, antwortet sie kurz und knapp: »Fuck them, right?«.Das Publikum liebt sie nach diesem Abend noch ein Stück mehr.


Die Veranstaltung: Laurie Penny liest aus Babys machen & andere Storys, Moderation: Meredith Haaf, naTo, 19.3.2016, 21 Uhr

Das Buch: Laurie Penny: Babys machen & andere Storys. Edition Nautilus, Hamburg 2016, 173 Seiten, 19,90 Euro


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Die Rezensentin: Lina Hansen

 

 


 

 

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