Von der Kunst sich in die Welt zu verlieben

John Green ist ein gefeierter Bestsellerautor von Romanen wie »Das Schicksal ist ein mieser Verräter« oder »Schlaft gut ihr fiesen Gedanken«, doch mit seinem neuesten Buch begibt er sich in ein neues Genre, das des Sachbuches.

© Marina Waters

Einst sagte eine Freundin von mir: »Entweder man mag John Greens Bücher oder man mag sie nicht. Es gibt nichts dazwischen.«
Von den drei Büchern, die ich vor »Wie hat Ihnen das Anthropozän bis jetzt gefallen?« besessen habe, hatte ich es geschafft nur ein einziges zu beenden. Ich stimmte meiner Freundin damals zu, was ihre These anging und befand mich von da an in der Kategorie: Ich mag John Greens Bücher nicht.

Das Buch besteht aus vielen verschiedenen Essays, in denen uns etwas über Kanadagänse, Klimaanlagen oder auch die Herkunft des Liedes »Auld Lang Syne« erzählt wird. Es ist angelehnt an seinen Podcast »The Anthropocene Reviewed«, in dem er über existenzielle Dinge der Menschheit spricht. »Kanadagänse« scheint man damit nicht unbedingt zu verbinden, aber von ihnen schafft es John Green mit einer Leichtigkeit, für die man ihn nur bewundern kann, einen Übergang zur Einsamkeit und dem Verlassenwerden zu finden und am Ende doch wieder zur Gans zurückzukommen.

© bluetenzeilen

Das beeindruckendste an dem Buch war jedoch, wie offen und ehrlich er über sich und das Leben gesprochen hat. Wir erfahren von Tiefpunkten, von Depression und Trauer. Doch trotz allem kann man auch viel positives aus dem Buch mitnehmen, wie den Satz: »Wir leben in Hoffnung – dass das Leben besser wird, und vor allem, dass es weitergeht, dass die Liebe überdauert, obwohl wir es nicht tun.« (S. 165 f.)
Durch diesen Satz wurde deutlich, wovon John Green in der Einleitung sprach, was es heißt sich in die Welt zu verlieben. In die kleinen und großen Dinge, die Grausamkeiten und alles Schöne, wie Zitate.

Ich habe lachen, einmal ganz schmerzlich weinen, aber am meisten nachdenken müssen. Es ist kein Buch, das man eben mal so lesen kann und dann für immer vergisst, sondern etwas, das ein Leben lang bleibt.

Die Theorie meiner Freundin, dass es kein dazwischen bei John Greens Büchern gibt, teile ich heute nicht mehr, denn vielleicht bin ich kein Fan seiner Romane, dafür aber ein größerer seines Sachbuches und das ist mein dazwischen.

Beitragsbild: © bluetenzeilen


Das Buch: John Green: Wie hat Ihnen das Anthropozän bis jetzt gefallen?. Notizen zum Leben auf der Erde. Aus dem Englischen von Henning Dedekind, Friedrich Pflüger, Wolfram Ströle, Violeta Georgieva Topalova. München: Carl Hanser 2021. 320 Seiten, 22,00 €


 

 

Die Rezensentin: Sarina Scholz

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.