Überraschend lustig

Ein Poetry-Slam-Special zur Leipziger Buchmesse im Beyerhaus.

Im riesigen Saal des Beyerhauses ist für den Abend eine Bühne aufgebaut. Die Lesebühne »Pinzette vs. Kneifzange« ist zu Gast. Statt wie sonst im engen Keller dürfen die drei Moderatoren und ihre sechs Gäste im voll besetzten Saal mit den großen Leuchtern auftreten.

Jan Lindner, Mariann Gaborfi und Nils Matzka © Periplaneta

Die drei Gründer der Lesebühne »Pinzette vs. Kneifzange«, Jan Lindner, Mariann Gaborfi und Nils Matzka führen durch den Abend. Den Anfang macht Singer-Songwriterin Peggy Luck mit Musik. Darauf folgen Geschichten, Monologe, Gedichte, Theaterstücke und Poetry Slams. Die Themen und Vortragsweisen könnten dabei unterschiedlicher nicht sein. Sie reichen von Messerstechereien und Detektivgeschichten bis hin zu gebrochenen Herzen. Vor allem die junge Poetry Slammerin Vivien Wenzel sticht mit der Präsentation ihres schnellen und ehrlichen Textes heraus und bringt wieder Schwung in den etwas eingeschlafenen Ablauf des Abends. Denn der zieht sich phasenweise in die Länge. Die Moderatoren neigen zu Abschweifungen und kommen, während sie sich gegenseitig daran erinnern, an die Zeit zu denken, nicht wirklich voran. Die etwas langatmigen Fragen an die Gäste scheinen manchmal sehr spontan gestellt. Dennoch sind die Darbietungen der unterschiedlichen Künstler insgesamt unterhaltsam, und am Ende des Abends dürfen in alter Lesebühnen-Tradition die Zuschauer entscheiden, welche Auftritte ihnen gefallen haben und welche weniger.

© Lesebühne Pinzette und Kneifzange

Hierbei kommen Pinzette und Kneifzange zum Einsatz. Die Pinzette steht für vorsichtig anzufassende, also gute Präsentationen und die Kneifzange für die Vorstellungen, die man nicht einmal mit derselben anfassen würde. Die Entscheidungen fallen überraschend und lustig aus, der Spaß an Worten und am Auftritt ist den Künstlern anzumerken. Der Aufbau des Abends mit den kurzen Vorab-Interviews ist gut gestaltet, jedoch fehlt den Moderatoren bisweilen etwas Struktur. Unabhängig davon ist die Lesebühne Pinzette vs. Kneifzange ein guter Ort für Lyriker aller Art. Verschiedenste Arten der Wortkunst treffen aufeinander und werden ausgelebt. Die Veranstaltungen der Lesebühne sind natürlich auch außerhalb der Buchmesse einen Besuch wert. Und wer sich selbst mal auf der Bühne ausprobieren möchte, kann das bei den »semioffenen« Lesebühnen tun.

Beitragsbild: Jan Lindner, Mariann Gaborfi und Nils Matzka (v.l.n.r.) von der Lesebühne Pinzette vs. Kneifzange. © Friederike Ehbrecht


Die Veranstaltung: Lesebühne Pinzette vs. Kneifzange: Buchmesse Edition, Beyerhaus, 15.3.2018, 20 Uhr


 

 

Die Rezensentin: Friederike Ehbrecht

 


 

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