Über Schuld, Schmetterlinge und Licht

Emma Scotts neuer New Adult Roman »Be My Tomorrow« ist eine wunderschöne Liebeserklärung an die Kraft der Vergebung.

Die Geschichte von Zelda, die nach New York geht, um ihre Graphic Novel »Mutter, darf ich…?« auf den Markt zu bringen und Beckett, der ebenfalls seit einigen Jahren eine große Last mit sich trägt, hat mich seit der ersten Seite mitgerissen.

In »Mutter, darf ich…?« arbeitet Zelda ihre Vergangenheit auf und hält dabei an der Theorie fest, dass ein Flügelschlag eines Schmetterlings in Malaysia einen Tornado in Florida verursachen kann. Und genauso gibt es im Buch viele, kleine Geschehnisse, die Großes bewirken – wie beispielsweise ein Umzug nach New York oder das gemeinsame Rauchen einer Zigarette.

Die Autorin Emma Scott. © Emma Scott

Emma Scotts Schreibstil ist dabei einmalig poetisch. Sie kreiert unglaubliche Bilder in meinem Kopf, was vor allem an ihren starken Vergleichen, wie z.B. »Ich stellte die grelle Leuchtstoffröhre an der Zimmerdecke aus und machte die Lichterkette an. Ihr gedämpftes Leuchten war in der Dämmerung wunderschön, wie Glühwürmchen, die an der Wand entlang tanzten.« (S. 170) liegt.

Aber auch ihre brillanten Protagonisten Zelda und Beckett sind voller Herz und Seele. Was mich jedoch insbesondere begeistert hat, ist diese knisternde Chemie zwischen den beiden, die seit dem ersten Moment spürbar ist. Sie ist gefüllt von Humor, Zuneigung, Respekt und unverblümter Ehrlichkeit. Beide machen keinen Hehl daraus, wer sie sind und welche Dämonen sie verfolgen – vielleicht sind sie deshalb ein so gutes Team. Ihre anfänglichen Wortgefechte haben Tiefgang, aber dennoch eine moderne Freche, wenn sie z.B. über den Gang zur selben Haltestelle oder den Luftmatratzen-Transport debattieren. Damit hat Emma Scott mich nicht nur einmal zum Schmunzeln gebracht.

Obwohl Zeldas und Becketts Leben anfangs genauso hart erscheinen wie die New Yorker Verlagswelt, wirken die beiden wie ein kleines Licht in der Dunkelheit, das stetig größer wird – und genau deshalb hat es mir so viel Freude gemacht, dieses Buch zu lesen. Denn trotz der harten Thematiken ist »Be My Tomorrow« für mich dank einer Menge Großmut und Humor ein Wohlfühlbuch, das sich nach Wärme und Geborgenheit anfühlt.

Beitragsbild: Cover von »Be My Tomorrow«. © Zora Taube


Das Buch: Emma Scott: Be My Tomorrow. Aus dem Englischen von Stephanie Pannen, Köln: LYX 2021, 400 Seiten, 14 Euro, eBook 9,99 Euro.


 

 

Die Rezensentin: Zora Taube