Stimmungskiller

Spannendes Buch sorgt für Anspannung.

In Halle 1 der Buchmesse, der Manga-Comic-Con-Halle ist viel los. Allerlei bunte Gestalten drängen sich um die gleichermaßen bunten Stände. Um das schwarze Sofa steht eine Traube Menschen, die einer Ninja-Show zuschaut. Gegen 13 Uhr löst sich die Masse auf. Auf den Sofas und Stühlen bleibt ein kleineres Publikum zurück, das gespannt auf die Lesung des Buches »KillerCon – Mord auf der Manga-Messe« wartet. Drei Personen betreten die Bühne. Eine von ihnen ist die sympathische Cover-Designerin Yaya-Chan, die sich aber nur kurz vorstellt und danach wieder an ihren Stand verschwindet. Zurück bleiben die Autorin Steffi Holzer und »Tobi«, ihr Vorleser. »Das Konzept des Vorlesens haben sie geklaut«, sagen sie. Das würden Autoren machen, die selbst nicht so gut vorlesen können.

Kruschner_Cover Steffi Holzer_2016-03-19Steffi Holzer kennt man in der Animeszene vor allem von »AnimaniA« und »MangasZene« in Verbindung mit dem Co-Autor Lars Erbstößer, der heute nicht anwesend ist. Im neuen Buch geht es um eine Anime Convention, der Kirameki-Con, auf der am Samstagmorgen eine weibliche Leiche in der Damentoilette gefunden wird. »Die Geschichte wird aus Sicht des Organisationsteams geschildert, welches bei so einer Veranstaltung sowieso schon unter Strom steht«, sagt Holzer. Die Protagonisten entscheiden sich, den Fund der Leiche zu verheimlichen, bis die Convention vorbei ist, um ihre Geldeinnahmen nicht zu gefährden. Denn nachdem sich ein Mitglied des Teams mit dem Geld der Convention aus dem Staub gemacht hat, sind sie praktisch pleite. Sie begeben sich während der Veranstaltung allein auf die Spur des Mordes.

»Gruslig«, denken sich wohl einige der Zuhörer, wenn man sich vorstellt, dass auf einer Messe wie dieser hier ein Mord passiert. Aber gruslig ist eigentlich nur das, was folgt. Der Vorleser Tobi liest einen Textauszug von mehreren lieblosen, bedruckten DIN A4 Blättern vor, obwohl das Buch direkt neben ihm liegt. Seine aufgeregte, nervöse Art führt dazu, dass er sich während des viel zu schnellen Lesens auch allzu oft verhaspelt. Zugegeben – das Buch steckt voller Tücken. Zum Beispiel sind die Namen der Protagonisten verschiedenen japanischen Comicfiguren nachempfunden. Sayaka, Lady Une oder auch Ryo Cyber könnten zu Ausspracheproblemen einladen. Nichtsdestoweniger werden nach einiger Zeit für die meisten Zuhörer die an der Veranstaltung vorbeilaufenden Cosplayer interessanter als die Lesung selbst. Einige stehen auf und gehen.

Tobi unterbricht sich: »Wie viel Zeit haben wir noch? Soll ich noch weiterlesen?«, fragt er. Steffi Holzer stimmt dafür, wahrscheinlich um selbst nichts weiter sagen zu müssen. Nach weiteren zwei Seiten ist es vorbei. Das Publikum ist sichtlich sprachlos, der Applaus ist mäßig. Die Autorin ergreift noch einmal das Wort: »Das Buch ist besser geschrieben, als ich mich hier ausdrücken kann.« Sie versucht die Situation zu retten und, ja, sie hat Recht, das Buch ist in der Tat besser, aber die meisten Besucher dieser Lesung werden es wohl nie erfahren.


Die Veranstaltung: Steffi Holzer lässt aus KillerCon – Mord auf der Manga-Messe vorlesen, Leipziger Buchmesse, 18.3.2016, 13 Uhr

Das Buch: Steffi Holzer und Lars Erbstößer: KillerCon – Mord auf der Manga-Messe. Anime House, Köln 2016, 312 Seiten, 12,95 Euro


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Die Rezensentin: Sarah Kruschner

 


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