Sperma und Ballern

 Johanna Dürrholz beantwortet die K-Frage

Die junge, kinderlose Redakteurin Johanna Dürrholz stellte am Freitagabend den 31 Teilnehmerinnen, mit Unterstützung ihres Lebensgefährten und einer Mitarbeiterin der Frauenkultur ihr erstes Buch »Die K-Frage« vor.

Ich war sehr gespannt auf diese Lesung, denn wahrscheinlich jede Frau stellt sich gezwungenermaßen irgendwann in ihrem Leben die Frage »Kind oder kein Kind?« Und so trat ich mit der wohl sehr naiven Hoffnung, eine Antwort auf diese Frage zu finden, fünfzehn Minuten zu spät in den BBB-Konferenzraum ein. Sogleich fand ich mich hineingeworfen in detaillierte Beschreibungen einer künstlichen Befruchtung, bei der verschiedene Synonyme des männlichen Ergusses so inflationär und nüchtern fielen, dass der Mann bereits nach wenigen, stichpunktartigen Sätzen zu einer Milchkuh degradiert war.

Johanna Dürrholz © Alyssa Meister

Auch bei den weiteren Passagen, die die Autorin für die Lesung gewählt hatte, blieb meine Hoffnung auf bewusst kinderlose Positionen aus, stattdessen weiteres Sperma und Geburtsbeschreibungen. Spätesten nach zehn Minuten verspürte ich den großen Drang wieder zu gehen. Die unharmonischen Sätze, sowie die Tatsache, dass das nächste Kapitel dann durch nicht enden wollende Aneinanderreihungen von Einkommensrechnungen, eher einer VWL-Vorlesung glich, bestärkten diesen Wunsch ungemein. Doch ich wollte unbedingt noch auf die Diskussion warten, denn schließlich hatte ich noch keine Antwort auf die K-Frage.

Leider gestaltete sich die Diskussion als steife Fragerunde, was wohl der Situation geschuldet war. Bis auf eine mutige ältere Frau, die sich mit Video dazuschaltete, tippten lediglich gesichtslose Ikons Fragen in den Chat, der Großteil nach dem Schema: »Haben Sie mit Leuten gesprochen, die in dieser oder jener Situation waren«. Allerdings zeigte sich anhand der Antworten auf diese Fragen, wie intensiv die Autorin für ihr Buch recherchiert hat.

Und allmählich bekam ich dann doch Lust auf das Buch. Fast jedes nur erdenkliche Schicksal scheint sich hier wiederzufinden, jeweils beschrieben und kommentiert aus der Sicht der Person, die es eben genauso erlebt hat und ab und zu autobiografische Einwürfe der Autorin. Das Besondere an dieser Geschichtensammlung ist, dass äußert vielseitige Perspektiven aufgezeigt werden und man an den Gedanken der Frauen teilhaben kann, die sich bewusst gegen Kinder entschieden haben, genauso wie denjenigen die mit aller Kraft versuchen, ihren Kinderwunsch zu realisieren. Frauen, die alles geben, die ballern, wie es immer wieder heißt. Die Lesung verschaffte tatsächlich nur einen kleinen Einblick, ein durchs Schlüsselloch schauen. Letztendlich ist jede Erfahrung so individuell, dass die Antwort mit großer Wahrscheinlichkeit nicht gefunden werden kann. Trotzdem schrieb ich dann die Frage in den Chat, auf Gut Glück.

»Kann ich als Frau Karriere machen, Kinder haben und glücklich sein?« Ihre Schlichte Antwort: »Ja.« Der Frage nach dem »Wie?« kommt man dann aber wohl erst mit dem Buch vielleicht ein Stück näher.


Die Veranstaltung: (Online-)Lesung mit der Autorin Johanna Dürrholz über ihr erstes Buch Die K-Frage. Was es heute bedeutet, (k)ein Kind zu wollen. Veranstaltung von der Frauenkultur Leipzig in Kooperation mit dem Duden Verlag. Online via Videokonferenz (Big Blue Button), 28.05.2021, 19:00.


Das Buch: Johanna Dürrholz: Die K-Frage. Was es heute bedeutet, (k)ein Kind zu wollen. Dudenverlag, Berlin 2021. 208 S., br., 18 Euro.


Rezensentin: Antonia Rost