So ganz anders als im »Tatort«

Thomas Fischer im Gespräch zu seinem Buch »Im Recht«.

Ein Staatsanwalt, der in einer Villa lebt und den Polizisten hilft. Mordfälle, die alle korrekt aufgeklärt werden. Das und noch mehr ist der »Tatort«, den sonntäglich Millionen Deutsche im Fernsehen sehen. Doch genau dort hört die Realität auf. Thomas Fischer will mit seinem Buch »Im Recht« nicht nur die Wirklichkeit der Justiz darstellen, sondern auch das Rechtswesen an den Leser vermitteln.

Der Strafrichter am Bundesgerichtshof veröffentlicht bereits seit Anfang 2015 die Kolumne »Fischer im Recht« auf zeit-online.de. In seinem neuen Buch vereint er die prägnantesten Themen dieser Passagen. Das dicht gedrängte Publikum lauschte ihm andächtig, umringt von roten Trennwänden. Souverän und entgegen aller Vorurteile wirkte Fischer bodenständig und locker. Im Gespräch mit Bastian Wierzioch beantwortete er alle Fragen und erklärte, wie wichtig das Recht für jedermann sein sollte. Jeder möge es als »Mittel der Demokratievermittlung entdecken«.

Das ist die Botschaft seines Werks. In seinen Texten spricht er brisante Probleme auch aus der Politik an, wie den Terrorismus oder die Flüchtlingskrise. Immer mit einem Blick auf die Rechtslage erklärt Fischer sowohl die Rechtsbezüge für Laien als auch seine eigene Meinung zu den Angelegenheiten. Doch sollten Strafrichter wie Fischer das überhaupt? Dazu erläuterte er, dass er seinen Beruf nicht als Einschränkung sähe. Im Buch meint er dazu: »Warum nicht? Wer sonst?« Er gab sogar zu, dass seine provokanten Fragen seine Leser für die Justiz sensibilisieren sollten.

Wendler_Cover Im Recht_2016-03-19Nachdem er zu Beginn sehr ernst wirkte, entspannte sich seine Haltung gegen Ende der Veranstaltung. Im Gespräch mit Wierzioch, der sich sehr zurücknahm, räumte Fischer mit »Tatort«-Realitäten auf. Die meist älteren Zuhörer schmunzelten bei diesem Vergleich. »Die eine Hälfte davon stimmt, die andere Hälfte nicht.«

Thomas Fischer sprach frei und las keine Passagen aus dem Buch vor. Das schien allerdings auch nicht nötig. Seine Antworten brachten seine Aussagen des Buches zum Ausdruck und jeder Zuschauer konnte sich ein Bild seiner Ansichten machen. Auf die Frage, warum sich die Regierung nicht strafbar mache, wenn Flüchtlinge ertränken, erläuterte Fischer, es sei ein »Mittel der Außenpolitik«. Murmeln im Publikum zeigte Zustimmung oder auch Ablehnung.

Der Autor war letztendlich so in Erklärungen vertieft, dass Wierzioch ihn stoppen musste. Fischer schien noch viel mehr sagen zu wollen. Hoffen wir, dass er weiterhin in seiner Kolumne aktuelle Politik mit Rechtsfragen vereint. Es sollte uns doch alle etwas angehen.


Die Veranstaltung: Thomas Fischer im Gespräch über Im Recht, Moderation: Bastian Wierzioch, Forum Sachbuch Halle 3, Stand E211, 18.3.2016, 14.30 Uhr

Das Buch: Thomas Fischer: Im Recht. Droemer Verlag, München 2016, 336 Seiten, 19,99 Euro, E-Book 17,99 Euro


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Die Rezensentin: Laura Wendler

 


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