Sex, Drogen und Techno

Die von dem*r Protagonist*in vertretenen Ideale sind nicht zwangsläufig die Ideale der Autorinnen- Anna und Marlene lesen im taz Studio aus ihrem Romandebüt »M.«

Die Autorinnen Marlene Stark (links) und Anna Gien © Julien Menand

Es ist ein Appell an das weibliche Begehren. Es geht ums »Frau-Sein« und vor allem geht es um die Suche nach Authentizität. »Alles ist immer authentisch und nicht authentisch«, sagt Anna Gien. Marlene Stark nickt beiläufig, aber zustimmend und wuschelt ihre blonde Haarmähne durch, die während der gesamten Veranstaltung einiges ihrer Aufmerksamkeit für sich beansprucht. Dennoch ist keine der beiden Autorinnen um eine Antwort verlegen, wenn Moderator und Redakteur der taz Ulrich Gutmair versucht, die beiden aus der Reserve zu locken. Anna traut sich was, entreißt ihm bei einer Frage fast das Mikro, die letzte Stunde vor Tagesabschluss im taz Studio nimmt noch einmal an Fahrt auf.

Cover © Matthes und Seitz Berlin

Es geht nicht um Feminismus – es ist Feminismus. Eine Grundsatzdebatte wird es aber nicht. Provokant bleibt es trotzdem, nicht weil M., Protagonist*in des gleichnamigen Romans, eine sexuell aktive Frau* ist, sondern weil es freitags 17 Uhr vielleicht doch noch etwas früh für Umschnalldildos ist. Doch Anna und Marlene kennen da keine Scheu. Die wäre eh fehl am Platz und so lesen sie abwechselnd ein flottes Medley aus ihrem Buch vor. Ihrem Buch, das sie, entgegen der Betitelung auf dem Cover, selbst nicht als „Roman“ bezeichnen würden. M. macht keine tatsächliche Entwicklung durch, spielt nicht einmal immer die Hauptrolle in ihrem eigenen Leben. An dieser Stelle muss man wie Ulrich Gutmair feststellen, wenn man über M. spricht, sagt das mehr über einen selbst aus als über das Buch. Anna und Marlene, zufrieden mit der Erkenntnis ihres Gesprächspartners, grinsen verschwörerisch. Unerwähnt sollte allerdings nicht bleiben, worum es bei M. wirklich handelt. Es ist eine scharfe Kritik am Kunstbetrieb, ein ungezügeltes Aufbegehren und ein Porno. Konstruierter Exzess – »sex, drugs & techno«, fasst Marlene es gelassen zusammen. Wer M. ist, wird nicht abschließend geklärt, muss es auch nicht. M. ist eine klasse Figur, ein radikales Mittel zum Zweck, aber sicherlich kein*e Romanheld*in.

Bleibt noch die Frage: Wie schreibt man ein Buch zu zweit? Direktes Shoutout an GoogleDocs von Anna, sie erntet ein amüsiertes Raunen vom Publikum. GoogleDocs macht es möglich, gleichzeitig an einem Dokument zu schreiben und gegebenenfalls das Geschriebene live zu kommentieren. »Man kann diese Kommentare natürlich auch unbeachtet löschen«, deutet Anna an, Marlene wuschelt sich durch die Haare und nickt. Die Frage nach Verlusten von Textstellen bejahen die beiden. Meist sei dann eine drastischere Szene nachgerückt. Quasi Hardcore Pornographie als Lückenfüller… warum auch nicht?

Beitragsbild: Moderator und Kulturredakteur der taz Ulrich Gutmair mit den Autorinnen Anna Gien (links) und Marlene Stark (rechts) © Caroline Werner


Die Veranstaltung: Lesung und Gespräch mit Anna Gien & Merlene Stark, Moderation: Ulrich Gutmair, Messegelände taz studio, 22.3.2019, 17.00 Uhr


Das Buch: Anna Gien & Marlene Stark: M. Berlin 2019, 248 Seiten, 20,00 Euro, E-Book 15,99 Euro


Die Rezensentin: Caroline Werner

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