»Schnellfickerhosen« und komplexe Frauenfiguren

Shida Bazyar las vergangenen Donnerstag während einer Online-Veranstaltung der Langen Leipziger Lesenacht im Rahmen des Lesefests Leipzig Liest Extra aus ihrem neuesten Roman »Drei Kameradinnen« und sprach dabei über komplexe Frauenfiguren in der Literatur und ihre eigene Rolle als Autorin im politischen Diskurs.

Vor dem Hintergrund des gelb-orange angestrahlten Gemäuers der Moritzbastei sitzen die Autorin Shida Bazyar und der Moderator des Abends Claudius Niessen. Die Zuschauer*innen der Lesung sehen diese Szenerie zudem eingerahmt von den jeweiligen Bildschirmen, auf denen sie den Livestream verfolgen, denn diese Lesung findet aus wohlbekannten Gründen online statt. Auf dem Tisch, an dem die beiden sitzen, stehen mehrere Bücher aneinandergereiht, daneben, herausgestellt, Bazyars zweites Buch „Drei Kameradinnen“.

Aus diesem liest die Autorin gleich zu Beginn eine Passage, in der sich die drei Freundinnen, auf die sich der Titel bezieht, während eines Gedankenspiels der Ich-Erzählerin Kasih in einer Talkshow mit Bärbel Schäfer und »inmitten ihres Publikums, das in Schnellfickerhosen von adidas […] gespannt darauf wartet, was es heute Absurdes lernt«, wiederfinden.

Bazyar bezeichnet es als Geschenk, drei Figuren in ihrem Roman vorkommen zu lassen, weil sich somit auf einfache Art und Weise verschiedene Blickwinkel darstellen lassen. Dennoch ist die Erzählstruktur komplex, denn alle drei Perspektiven werden von derselben Figur, der Protagonistin Kasih, erzählt.

Durch diese Figuren- und Erzählkonstellation meint die Autorin das erreicht zu haben, was sie selbst in der Literatur oftmals vermisst: komplexe Frauenfiguren.  Zudem, so Bazyar, gäbe es kaum Bücher, die von drei Freundinnen handeln, beziehungsweise wenn, dann nur als Frauenliteratur abgestempelt, womit wiederum die jeweiligen Frauenfiguren klein gehalten werden.

Auch Bazyar scheint sich in bestimmten Situationen als weibliche Autorin klein gehalten zu fühlen: Sicherlich äußere sie sich als Autorin auf einer politischen Ebene, aber wenn es bei einer Lesung größtenteils nur um rechten Terror gehen würde, fühle sie sich in ihrer Rolle als Autorin nicht mehr wahrgenommen. An diesem Abend wirkt sie aber weder klein noch klein gehalten.

Beitragsbild: Lange Leipziger Lesenacht, Shida Bazyar, Claudius Niessen, Moritzbastei Leipzig, 27.05.2021, 20:00 Uhr. © Youtube-Kanal der Leipziger Messe, Screenshot © Olivia Tochtermann.


Die Veranstaltung: Lange Leipziger Lesenacht, Shida Bazyar, Claudius Niessen, Moritzbastei Leipzig, 27.05.2021, 20:00 Uhr. Siehe Youtube.


Das Buch: Shida Bazyar: Drei Kameradinnen. Köln: Kiepenheuer & Witsch, 2021. 352 Seiten, 22 Euro.


                                                                                      

 

Die Rezensentin: Olivia Tochtermann

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