Schicht um Schicht

Ursula Poznanski liest aus ihrem Roman »Layers«.

Wäre die Fantasy-Leseinsel in Messehalle 2 eine echte Insel, würde sie wegen Überfüllung längst im Meer versunken sein. Hunderte Fans strömen scharenweise herbei und stürzen sich auf die letzten freien Sitze, die mitunter von zwei Leuten zeitgleich besetzt sind. Diejenigen, die keinen Platz ergattern konnten, hocken mit angezogenen Knien oder im Schneidersitz auf dem Boden, wobei kaum ein Fleckchen des grauen Teppichs mehr zu sehen ist. Der Grund für diesen Trubel ist die Lesung von Autorin Ursula Poznanski aus Österreich, die neben vielen weiteren Autoren wie Kai Meyer oder Bettina Belitz ihren aktuellen Roman »Layers« präsentiert.

Reischke_Cover Layers_2016-3-19»Ich bin diejenige, die keine Fantasy liest auf der Fantasy-Leseinsel, sondern einen Thriller«, sagt sie zu Beginn der Lesung mit bereits leicht angeschlagener Stimme. Tatsächlich gleicht »Layers« einem Katz-und-Maus-Spiel in den Straßen einer Großstadt. Es ist die Geschichte von Dorian, einem 17-jährigen Durchschnittstypen, den schreckliche Familienverhältnisse in die Obdachlosigkeit getrieben haben. Dorian durchstreift die Straßen, ernährt sich aus Mülltonnen und schläft in Parks oder Unterführungen. Wie gefährlich dieses Leben ist, verdeutlicht die erste Szene, die Poznanski vorträgt, in der Dorian von einem anderen Obdachlosen – Emil – bedroht wird. Als Dorian eines Tages aufwacht und eben jener Emil tot neben ihm liegt, gerät sein Leben restlos aus den Fugen. Hat er etwas mit dem Tod des Mannes zu tun?

Rettung naht in Form eines Fremden, der Dorian in dieser Situation überraschenderweise beisteht. Der Fremde arbeitet für eine Organisation, die obdachlose Jugendliche von der Straße holt und ihnen in einer Villa ein Bett, Kleidung und Essen bereitstellt. Doch schon bald wird klar, in dieser Villa stimmt etwas nicht. Die Jugendlichen müssen als Gegenleistung Flyer verteilen oder Fremden ominöse Geschenke überbringen. Als Dorian eines dieser Geschenke nicht zustellen kann, verliert er das Vertrauen der Organisation und muss von da an um sein Leben fürchten. Schicht um Schicht entfaltet sich die Story von »Layers«, in der nichts so ist, wie es zu sein scheint. Darum wäre jedes weitere Wort an dieser Stelle zu viel und würde den Lesespaß schmälern.

Poznanski schreibt in einem anschaulichen, verständlichen Stil, der besonders für jüngere Leser leicht zugänglich ist. Gebannt lauscht das Publikum der Lesung, viele halten ihr Exemplar von »Layers« in den Händen, um die vorgelesenen Szenen mitzuverfolgen. Der Protagonist Dorian, der sein Schicksal als Straßenkind versucht zu meistern, ist auf Anhieb sympathisch und greifbar. Leider trifft das nicht auf alle Charaktere zu, die mitunter recht stereotyp und blass daherkommen, so dass beim Lesen nur schwer ein emotionaler Bezug zu ihnen entsteht. Vielleicht ist dies der Grund, warum die zu Beginn des Buchs aufgebaute Spannung nicht permanent gehalten werden kann. Auch sind die Handlungen der Figuren nicht an allen Punkten nachvollziehbar.

Ursula Poznanski. © Loewe Verlag GmbH
Ursula Poznanski. © Loewe Verlag GmbH

Zeit um über die Hintergründe von »Layers« zu sprechen oder Fragen des Publikums zu beantworten bleibt nicht. Der Ablaufplan ist straff durchgetaktet, so dass Poznanski die Lesung bereits nach einer halben Stunde beenden muss. Die Zuschauer in den hinteren Reihen stehen auf den Zehenspitzen, um noch einen Blick auf die Autorin zu erhaschen, danach entschwindet sie zum Signierbereich, wo bereits unzählige Fans sehnsüchtig auf ein Autogramm warten.


Die Veranstaltung: Ursula Poznanski präsentiert Layers, 19.3.2016, Messegelände Halle 2, 13.00 Uhr

Das Buch: Ursula Poznanski: Layers. Loewe Verlag GmbH, Bindlach 2015, 445 Seiten, 14,95 Euro, E-Book 12,99 Euro


Reischke_Profilbild_2016_02_08

 

Der Rezensent: Tim Reischke

 

 


 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.