Sag mir nicht, wer ich bin

Florence Brukowski-Shekete über ihr Leben, kulturelle Identität und Rassismuserfahrungen.

Florence Brokowski-Shekete ist und war lange Zeit Lehrerin, Schulleiterin, sowie Schulrätin. Daher ist es passend, dass die Lesung ihres Buches in einem Leipziger Gymnasium stattfindet. Die Veranstaltung wird von der Schuljazzband mit zwei Musikstücken eröffnet, sowie später auch abgeschlossen. Blickt man um sich, sieht man leichtes Fußwippen im Takt, die Stimmung sowie die Musik sind locker.

© 2021 Orlanda Verlag GmbH

Florence Brokowski-Shekete eröffnet ihre Lesung mit den Worten, die Zuhörer*innen mit hinter ihre Kulissen zu nehmen – mit in ihr Leben als Schwarze Deutsche. Denn davon handelt ihr Buch. Es geht um ihre eigene Lebensgeschichte, darum, wie ein Mensch, der zwar nigerianische Wurzeln und Eltern hat, in Deutschland geboren wurde und sich durch und durch der deutschen Kultur zugehörig fühlt. Obwohl ihr dieses Empfinden immer wieder abgesprochen wird.

Es wird schnell klar, dass dieser Abend ernste Inhalte wie Alltagsrassismus und Diskriminierung vermitteln wird, Themen die mit dem Leben der Autorin untrennbar verknüpft sind. Doch zunächst nimmt sie uns mit zum Anfang der Geschichte, liest ein Kapitel, in dem sie erklärt, weshalb sie eine Mutter und eine Mama hat und als einziges schwarzes Kind in Buxtehude in der Nähe von Hamburg aufwuchs. Nach etwa zehn Seiten löst sich die Autorin vom Buch und beginnt die Geschichte frei nachzuerzählen. Sie benötigt das Skript nicht, schließlich kennt sie ihre eigene Geschichte. Sie erzählt von ihren ersten Rassismuserfahrungen, wie sie sich als Kind versuchte weiß zu schrubben. Oder wie sie die Nachbarn als Einzige in Erinnerung behielten, wenn doch mindestens zehn Kinder am Klingelstreich beteiligt waren.

© 2021 Orlanda Verlag GmbH

Florence Brokowski-Shekete steht mittlerweile nicht mehr hinter ihrem Pult, sondern vor den Zuhörer*innen. Lebhaft erzählt sie von ihrer Karriere, von ihrem Beruf als Lehrerin, den sie ergriff, obwohl ihr dabei immer wieder Steine in den Weg gelegt wurden. Denn in einem weißen Bildungssystem muss sie sich und ihre Hautfarbe vielen Menschen erklären. Sehr offen, sehr ehrlich vermittelt sie uns Zuhörenden, was es gerade für junge Menschen bedeutet, immer wieder Alltags- und strukturellen Rassismus zu erfahren. »Die Gesellschaft ist divers, das muss sichtbar werden!« Es fehlten Menschen, die als Vorbilder für Schüler*innen mit Migrationshintergrund fungierten. Florence Brokowski-Sheketes Geschichte ist nur eine von vielen und dennoch war gerade das ein Grund, dieses Buch zu schreiben, erklärt sie. Auch um Menschen für diese Thematiken zu sensibilisieren, aber vor allem für Menschen, die eine ähnliche Geschichte wie sie teilen.

Der Kampf gegen Rassismus ist noch lange nicht beendet. Florence Brokowski-Shekete würde von dem Wort Kampf jedoch möglicherweise nichts halten. Ihre Devise ist es, durch Dialoge Brücken zu bauen und genau das hat sie am heutigen Abend getan.

Beitragsbild: Florence Brokowski-Shekete liest aus »Mist, die versteht mich ja«. © Leander Bernhardt


Die Veranstaltung: Freitag, 28. Mai 2021, 18.45–20.30 Uhr, Florence Brokowski-Shekete liest aus »Mist, die versteht mich ja«, Ort: Musikalisch-Sportliches Gymnasium Leipzig.


Das Buch: Florence Brokowski-Shekete: Mist, die versteht mich ja! Aus dem Leben einer Schwarzen Deutschen. Berlin: Orlanda 2020, 250 Seiten, 22,00 Euro, E-Book 15,00 Euro.


 

 

Die Rezensentin: Leonie Reiter

Ein Gedanke zu „Sag mir nicht, wer ich bin

  1. Durch die lebendige Erzählung der Rezensentin Leonie Reiter, hat man das Gefühl selbst bei der Lesung dabei gewesen zu sein und bekommt Lust das Buch ” Mist, die versteht mich ja…” von Florence Brokowski-Shekete zu lesen.

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