Niederländische Literatur in Leipzig

Doris Hermanns stellt ihre Anthologie »Wär mein Klavier doch ein Pferd« vor.

»Sie hat viel Humor und Positivismus.« Reintje Gianotten sagt das mit herrlichem niederländischen Akzent. Gemeint ist Annie M. G. Schmidt, eine Autorin von der gleich zwei Kurzgeschichten in der Anthologie »Wär mein Klavier doch ein Pferd« zu finden sind. »Sie ist unsere Astrid Lindgren«, erklärt die Niederländerin, und anschließend bekommt das Publikum eine kleine Kostprobe zu hören.

Weibliche Traditionslinien in der Literatur abzubilden, ist das Metier von edition fünf in der Hamburger Edition Nautilus. Da die Niederlande in diesem Jahr Gastland zur Frankfurter Buchmesse sein werden, konzipierte der Verlag einen Erzählband mit diesem Fokus. Herausgeberin ist Doris Hermanns, die viele Jahre in den Niederlanden lebte. Unterstützung erhält sie bei der Buchpräsentation von Reintje Gianotten vom Nederlands Letterenfonds, der sich für niederländische Literatur im Aus-und Inland einsetzt.

Doris Hermanns, Karen Nölle und Reintje Gianotten (v.l.n.r.). © Lisa Lenort
Doris Hermanns, Karen Nölle und Reintje Gianotten (v.l.n.r.). © Lisa Lenort

»Es ging mir darum, Weiblichkeit in den Niederlanden zu beschreiben«, fasst Hermanns zusammen. Ihre Kriterien, die zu der nun vorliegenden Auswahl geführt haben, seien vielfältig gewesen. »Essenziell war es, Erzählungen von Frauen zu finden, die auch aus der Perspektive von Frauen geschrieben haben, und nicht lediglich als Frauen über Männer.«

Die Herausgeberin liest sodann einen Abschnitt aus Elisabeth Augustins »Vorm Fenster«, einer Kurzgeschichte über eine deutsche Jüdin, die mit ihrem niederländischen Mann und den beiden Töchtern aus Nazideutschland nach Amsterdam flieht. Möglicherweise hat sich Hermanns mit den Texten ihres Buches einfach schon zu häufig beschäftigt, denn das Gelesene wirkt zäh und leidenschaftslos. Auch der Auszug scheint lieblos gewählt, überhaupt hat man das Gefühl, Gianotten brenne mehr für das Buch als Hermanns selbst.

HermannsDennoch sind die Biografien der Autorinnen der Anthologie vielfältig. Die Themen und Lebenswelten, aus denen die Texte stammen, reichen von banal und feindselig bis sentimental und neurotisch. Von der Moderatorin Karen Nölle, Herausgeberin von edition fünf, nach den drei besten Autorinnen des Bandes gefragt, nickt Gianotten heiter und plaudert mit leuchtenden Augen von Maria Dermoût, Annie M. G. Schmidt und Margriet de Moor.

Der Zeitplan des Forums DIE UNABHÄNGIGEN ist eng gesteckt. Für eine weitere Geschichte reicht leider die Zeit nicht. Gianotten schwärmt indes von der Gestaltung des türkisen Bandes mit Prägebuchstaben und versucht, ihre Begeisterung auf die Zuhörer zu übertragen: »Ich habe noch nie ein Buch gesehen, das so schön hergestellt ist. Es hat bei jedem Kapitel Klaviertasten, kaufen Sie dieses Buch!«


Die Veranstaltung: Wär mein Klavier doch ein Pferd, Lesung mit Reintje Gianotten und Doris Hermanns, Moderation: Karen Nölle, Forum DIE UNABHÄNGIGEN, 18.3.2016, 11 Uhr

Das Buch: Doris Hermanns: Wär mein Klavier doch ein Pferd. edition fünf, Hamburg 2016, 200 Seiten, 19,90 Euro


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Die Rezensentin: Lisa Lenort

 


 

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