Nicht nur für alte Knacker

Im Gespräch mit den Schöpfern der Comic-Reihe »Die alten Knacker«.

Immer mehr Leute betreten den Raum, dessen Wände volle Bücherregale zieren. Hier und da wird französisch gesprochen. Küsschen auf die Wange werden ausgetauscht. So macht man das eben im Institut Français. Die Reihen füllen sich und es werden noch Stühle in den Gang gequetscht. Zum Glück sitzen Autor Wilfrid Lupano, Zeichner Paul Cauuet, Moderatorin Marie-Pierre Liebenberg und Übersetzer Jean-Christophe Tailpied schon an ihrem Tisch, auf dem Volvic-Flaschen und Stielgläser stehen. Fehlt nur noch der Wein, dann wäre das Bild eines französischen Abends perfekt.

Im Verlauf des Abends stellt sich die Veranstaltung weniger als Lesung heraus, obwohl auch eine Seite des Comics von den beiden Schöpfern vorgetragen und einige Seiten auf eine Leinwand projiziert werden. Vielmehr stellt die Moderatorin Lupano und Cauuet Fragen über ihr Leben, ihre Inspirationsquellen und Charaktere und über Politik. Es entwickelt sich ein überaus spannendes, aber auch lustiges Gespräch, das sich so verselbstständigt, dass die Übersetzung ab und an auf der Strecke bleibt. Allerdings scheint das kein großes Problem zu sein, da die meisten Zuhörer schon nach den schwungvollen Antworten der Franzosen lachen.

Paul Cauuet beim Signieren – statt nur Unterschrift gibt es eine kleine Zeichnung. © Helen Reményi
Paul Cauuet beim Signieren – statt nur Unterschrift gibt es eine kleine Zeichnung. © Helen Reményi

Aber es werden auch ernste Themen angeschnitten, beispielsweise der Tod, der zwangsläufig mit dem Altern verbunden ist. Auch Ereignisse der französischen Geschichte lassen sich praktischerweise durch die Erinnerungen der drei etwa 75-jährigen Männer Antoine, Pierrot und Mimile einfach in die Handlung des Comics einfügen.

Der Originaltitel »Les vieux fourneaux«, zu Deutsch etwa »Die alten Hochöfen«, stammt aus einem Lied von George Brassens, wo es als Metapher für Menschen höheren Alters verwendet wird. Die Idee des Feuers, das noch lange brennt, bevor es schließlich erlischt, gefiel den beiden Autoren. Genau dieses Feuer wollten sie den Hauptcharakteren einhauchen, was ihnen definitiv gelungen ist. Dabei ist Pierrot der Vulkan unter ihnen. Er ist Anarchist und gehört der Gruppe »Augenlos und frei« an. Diese besteht aus Senioren, die allein durch ihre Anwesenheit politische Veranstaltungen sprengen oder nervige Szenelokale ruinieren – schließlich meidet jeder, der etwas auf sich hält, alte Menschen. Aber auch in der jungen Sophie, frisch gebackene Mutter (ab dem zweiten Band) und Enkelin von Antoine, lodert das Feuer. Sie ist der Gegenpol zu den älteren Herrschaften, deren Generation ihrer Meinung nach die Welt ausgenutzt und verbraucht hinterlässt. Und genau da setzt der Comic wieder an, denn solange man noch nicht gestorben ist, kann man sich engagieren, statt vor sich hinzuvegetieren – egal in welchem Alter. Die beiden Autoren haben ihren Charakteren Menschlichkeit, politisches Engagement und eine große Portion Humor verliehen – Dinge, die unsere Zeit bitter nötig hat.

Zum Abschluss sprechen Lupano und Cauuet über ihre momentanen Projekte. Der vierte Band der Reihe wird gerade gezeichnet, und Lupano verrät, dass er an einer filmischen Umsetzung des Comics arbeitet. Man kann sich also auf Nachschub freuen!


Die Veranstaltung: Vorstellung der Comic-Serie »Die alten Knacker« mit Wilfrid Lupano und Paul Cauuet, Moderation: Marie-Pierre Liebenberg und Jean-Christophe Tailpied, Institut Français d’Allemagne Leipzig, 17.3.2016, 20 Uhr

Die Bücher:

  • Wilfrid Lupano und Paul Cauuet: Die alten Knacker – 1. Die übrig bleiben. Aus dem Französischen von Tanja Krämling, Splitter, Bielefeld 2015, 64 Seiten, 14,80 Euro
  • Wilfrid Lupano und Paul Cauuet: Die alten Knacker – 2. Bonny und Pierrot. Aus dem Französischen von Tanja Krämling, Splitter, Bielefeld 2015, 56 Seiten, 14,80 Euro
  • Wilfrid Lupano und Paul Cauuet: Die alten Knacker – 3. Der, der geht. Aus dem Französischen von Tanja Krämling, Splitter, Bielefeld 2015, 64 Seiten, 15,80 Euro

Remenyi_Foto_2016-02-08

 

 

Die Rezensentin: Helen Reményi

 


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.