(Nicht-)Erfolg der Feminismus-Demokratie in naher Zukunft

Karen Duve wagt mit »Macht» einen satirischen Blick auf die künftige Gesellschaft.

»Seltsamer Kerl, den Sie da geschrieben haben!« Carsten Tesch bringt gleich zu Beginn seine Skepsis zur Sprache, die er dem Protagonisten in Karen Duves Roman entgegenbringt. Auf dem winzigen Podium des Radios MDR-Figaro fungiert er als Moderator, als die 54-jährige Hamburgerin ihr neues Werk »Macht» auf der Buchmesse Leipzig vorstellt.

Die Autorin gibt einen kurzen Einblick in ihre »Soft-Science-Fiction« und schildert, wie die Hauptfigur Sebastian Bürger die Welt im Jahre 2031 erfährt: Die Frauen sind an der Macht und führen eine kontrollierte Feminismus-Demokratie. Lange können sie davon aber nicht mehr profitieren, denn der Planet Erde weist nur noch eine Lebenserwartung von fünf Jahren auf, bevor er unbewohnbar wird. Um diese kurze Zeitspanne noch in jugendlicher Frische und Freude erleben zu können, gibt es zum Glück Ephebo: Pillen, die zur besseren Zellerneuerung beitragen und so einen rasanten Verjüngungseffekt liefern. Das hohe Krebsrisiko bei steigender Dosis kann die Menschen nicht mehr beunruhigen – dazu wird es wohl gar nicht erst kommen!

Sebastian ist verbittert. Als ehemaliger Umweltaktivist und Weltverbesserer verachtet er all die Konsumjünger, die den Planeten durch ihre Uneinsichtigkeit in den Ruin getrieben haben. Wozu jetzt noch bewusst leben? Den Rest seines Lebens will er nun auch genießen und dazu sind alle Mittel recht. Daher hält er sich auch seine Exfrau als Gefangene im Keller, die ihm zu Diensten ist, wann und wie er es will.

Karen Duve im Gespräch bei MDR-Figaro © Katharina Stork
Karen Duve im Gespräch bei MDR-Figaro © Katharina Stork

»Das ist aber ´ne Sau, dieser Held!« Carsten Tesch lässt sich nicht von seiner Schwarz-Weiß-Sicht abbringen und so muss Karen Duve immer wieder eingreifen, um auch die Grauzonen in der Tiefe ihrer Charakterentwicklung hervorzuheben. Denn neben den perversen und kranken Zügen zeigt Sebastian durchaus auch Menschlichkeit im Umgang mit dem bevorstehenden Weltende. So ertappt sich der Leser immer wieder dabei, in gewisser Weise doch mit dem Protagonisten zu sympathisieren, um gleich darauf seine eigenen Moralvorstellungen zu hinterfragen oder zu festigen.

Karen Duve liest die verschiedenen Ausschnitte klar und unverblümt vor und antwortet differenziert auf die doch sehr suggestiv gestellten Fragen des Moderators. Schade, dass sie aufgrund der vielen Unterbrechungen nicht weiter in die Tiefe gehen kann. Doch sie lässt sich nicht aus der Ruhe bringen und steht den teilweise süffisanten Kommentaren Carsten Teschs unverrückbar gegenüber.


Die Veranstaltung: Gespräch mit Karen Duve zu Macht, Moderation: Carsten Tesch, MDR-Figaro Buchmesse Leipzig, 19.3.2016, 13Uhr

Das Buch: Karen Duve: Macht. Galiani Berlin, Berlin 2016, 413 Seiten, 21,99 Euro, E-Book 18,99 Euro


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Die Rezensentin: Katharina Stork

 


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