Man ist nur so alt, wie man sich fühlt

Sky du Mont und die Frage nach dem Älterwerden.

Die Frage, wie man am besten mit dem Älterwerden umgeht, stellt sich anscheinend nicht nur der 1947 in Buenos Aires geborene Autor Sky Du Mont. Auch etwa 200 Besucher, die zu seiner Lesung in den historischen Speisesaal des Leipziger Hauptbahnhofes gekommen sind, beschäftigt wohl ebenfalls diese Frage. Der Schauspieler ist dem Publikum bekannt und »wann bekommt man eine berühmte Persönlichkeit schon einmal für zwei Euro zu Gesicht?«, sagt ein anwesender Herr zu seiner Begleitung. Recht hat er. Sky du Mont ist eine Persönlichkeit, man kennt ihn unter anderem aus dem Film »Der Schuh des Manitu«, wo er als Schurke Santa Maria das Publikum zum Lachen bringt. Sein Buch »Steh ich jetzt unter Denkmalschutz« trifft den Geist der Zeit, denn das Alter ist ein vielbehandeltes Thema in der Literatur, über das du Mont jedoch mit Witz und Charme schreibt.Kruschner_Bild Sky du Mont_2016-03-18 Cover

Er betritt den dunklen Raum und begibt sich unter Applaus zu einem Tisch, auf dem eine Leselampe steht. Leider ist der Autor nur undeutlich zu erkennen, wenn man nicht gerade in der ersten Reihe sitzt. Doch das stört das Publikum nicht, das vor allem aus Leuten der älteren Generation besteht.

Humorvoll und mit einer angenehmen, tiefen Stimme beginnt du Mont zu lesen und führt durch den Alltag des Protagonisten seines neusten Werkes, welcher, so betont der Mime, aber nicht er selbst sei. Er erzählt von schmerzhaften Verwechslungen mit Johannes Heesters und wie es ist, auf der »wrong side of sixty« zu sein. Der ständige Versuch seiner deutlich jüngeren Frau Beate ihn fit zu machen, setzt Benjamin Richter unter Druck. Sieht er wirklich so schlimm aus? Er macht den Test vor dem Spiegel: »Alter Schwede, der dicke Mann, der da steht, sieht mir erschreckend ähnlich. […] Plötzlich verstehe ich auch den alten Witz über die ›Spiegeleier‹. Meine könnte ich auch nur noch im Spiegel sehen.« Das Publikum bricht in schallendes Gelächter aus, denn Sky du Mont bringt es auf den Punkt. Im Alter fit zu bleiben, ist leichter gesagt als getan. Der Protagonist ist in der Tat eher ein »Passivsportler«, daran können Fitnessstudio oder Golfclub leider nichts ändern. Letzteren hatte sich Benjamin eher als Spaziergang vorgestellt. »Stimmt auch. Nur das der Spaziergang eher einem Marathon gleicht« und er lieber mit dem Sohn zum Minigolf fährt.

Zwischen Psychotests in den Zeitschriften seiner Frau, einer deutlich prägenden Kaffeefahrt mit seiner Schwiegermutter, einer Seniorenreise nach Venedig und zwei Heizdecken später beginnt Benjamin langsam zu verstehen. Es spielt keine Rolle wie alt man ist, es ist nur wichtig, auch im Alter glücklich zu sein. »Man kann mir sicher vieles vorwerfen. Aber ich will mir nicht vorwerfen lassen, ich sei die Spaßbremse meines eigenen Lebens gewesen.« So beendet Sky du Mont die Lesung mit dem letzten Satz seines Buches und schafft es trotz der lockeren, leichten Lektüre, sein Publikum zum Nachdenken anzuregen.


Die Veranstaltung: Sky du Mont liest aus Steh ich jetzt unter Denkmalschutz?, Buchhandlung Ludwig, 17.3.2016, 19.30 Uhr

Das Buch: Sky du Mont: Steh ich jetzt unter Denkmalschutz? – Älterwerden ist nichts für Spaßbremsen. Bastei Lübbe, Köln 2016, 173 Seiten, 9,99 Euro, E-Book 8,49 Euro


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Die Rezensentin: Sarah Kruschner

 


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