»Man braucht mehr solcher Filme«

Gespräch mit Synchronregisseurin Birte Baumgardt und Gebärdendolmetscherin Sabine Conradi zum Manga und Anime »A Silent Voice« auf dem Schwarzen Sofa der Manga Comic-Con.

Das stille Sofa – der Titel der Veranstaltung wäre bald Programm geworden. Das Gespräch zwischen Birte Baumgardt und Sabine Conradi verzögerte sich um gute zehn Minuten, da der Schnee die Anreise der Gäste erschwerte. Nachdem Moderator Dirk Remmecke die beiden Frauen vorgestellt hatte, gab es ein paar Informationen über den Film. So war »A Silent Voice« der zweiterfolgreichste Film im Jahr 2016 in Japan und gewann den Tokyo Anime Award als bester Film und bestes Drehbuch. Nach diesen Eindrücken, die positiv für den Film sprachen, wurde den Leuten der Inhalt des Films nähergebracht.

Der Anime handelt von der Gehörlosen Shoko, welche neu an eine Schule kommt. Da sie eine Behinderung hat, wird sie gehänselt, besonders von dem Jungen Shoya. Dieser wird im Laufe des Films durch seine Taten jedoch selbst zum Mobbingopfer. Nach einigen Jahren treffen Shoko und Shoya wieder aufeinander. Shoya, welcher eigens für das Mädchen die Gebärdensprache gelernt hat, möchte seine Handlungen gegenüber Shoko wieder gut machen und verbringt immer mehr Zeit mit dem Mädchen. Die beiden müssen sich mit dem Thema Mobbing und dessen Folgen auseinandersetzen.

In einer Fragerunde gab Sabine Conradi einen Einblick in ihre Arbeit. Die Gebärdensprache sei regional unterschiedlich, wobei sich die amerikanische und deutsche Gebärdensprache ähnelten. Auch erklärte sie, dass ein Gehörloser die Zeichen im Film durchaus verstehen könnte, da es einige Gebärden gäbe, die auf der ganzen Welt gleich seien. Immer wieder sprach sie davon, wie gut für den Film recherchiert wurde. Gerade Gehörlose hättenen mit Mobbing zu kämpfen, daraus folgten Depressionen oder sogar Suizidgedanken.

Nach dem kurzen Gespräch wand man sich wieder dem Film zu und verglich die Untertitel für Gehörlose mit den Untertiteln für das Japanische. Geräusche der Umgebung und Laute werden in den Untertiteln für Gehörlose mit aufgezeigt, bei den deutschen Untertiteln fehlen sie. Dann berichtete Birte Baumgardt über ihre Arbeit als Synchronregisseurin. Die Schwierigkeit bei diesem Film sei gewesen, dass eine professionelle Sprecherin eine Gehörlose sprechen sollte. Sie nahm sich also viel Zeit für Jill Schulz, der Sprecherin der Gehörlosen Shoko, um ihr zu erklären, worum es im Film gehe. Selbst die Dolmetscherin lobte die Sprecherin für ihre Arbeit und erklärte, dass es sehr realistisch dargestellt sei, da auch taube Menschen ab und zu redeten, doch weil sie ihre Stimme nicht selber wahrnehmen könnten, klängen ihre Stimmen meist komisch.

Nach den Erklärungen der beiden Frauen war noch Zeit für Fragen aus dem Publikum, doch das Thema mussten einige erst einmal sacken lassen. Somit verabschiedeten sich die Gäste, die Dolmetscherin sogar in Gebärdensprache und brachte dann das Schlusswort der Veranstaltung: »Behinderte Menschen werden immer mehr zu Mobbingopfern. Man braucht mehr solcher Filme.«


Die Veranstaltung: Das stille Sofa mit KAZÉ, Moderation: Dirk Remmecke, Leipziger Buchmesse, Schwarzes Sofa, 16.3.2018, 13 Uhr

Der Film: Kyoto Animation: A Silent Voice. Kyoto, 2016


 

 

Die Rezensentin: Lisa Dietrich

 


 

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