Literatur und Politik sind untrennbar

Gespräch: Aktuelle Debatten aus feministischer Sicht.

Ich komme ein wenig zu früh und habe noch Zeit, mich in der Bibliothek MONAliesA umzusehen. Die eingeladenen Autorinnen sind Bettina Wilpert und Lea Sauer. Beide haben Texte in der Literaturzeitschrift allmende zum Thema „neuer Feminismus“ veröffentlicht. Bevor sie den aufmerksamen Zuhörerinnen ihre Beiträge vorstellen, wird zunächst der Literaturbetrieb in den Blick genommen: Obwohl sich festgefahrene Strukturen nur langsam ändern, bewerten die Sprecherinnen ihr Arbeitsumfeld als weitgehend reflektiert. Doch auch subtile Diskriminierung gibt es überall. Stellt eine Frau ein Buch vor, geht es schnell um ihr Aussehen oder Privatleben, während Inhalte vernachlässigt werden. Bei den Themen Elternschaft, Geburt, sexuelle Gewalt kann man sich fragen: Geht uns das nicht alle etwas an?

Das Publikum erfährt zunächst über aktuelle Projekte. Bettina Wilpert spricht über das Schreiben als Schnittstelle zwischen Literatur und Politik. Ihr Roman „Nichts, was uns passiert“ thematisiert einen Vergewaltigungsvorwurf. In ihren Texten möchte sie keine politische Agenda nahelegen, dennoch bringe man Begriffe mit ein, die einem Selbstverständnis als politische Person entspringen. Mit Figurenkonstellationen lassen sich somit Klischees aufbrechen oder aber Vorurteile reproduzieren. Lea Sauers Essay erzählt von Gewalterfahrungen und die Berichterstattung darüber; auch hier scheint der politische Horizont von Literatur auf.

Der Zugang zum Feminismus kann vielfältig sein: Gespräche mit Freunden, Musik oder eigene Gewalterfahrungen öffnen die Tür zu einer feministischen Kritik der eigenen Umwelt. Der Titel der Veranstaltung legt nahe, dass es um eine Diskussion aktueller Themen geht, und was diese als „neuen Feminismus“ ausmachen. Letztendlich ist es eine Lesung, die jedoch gerade durch das angeregte Gespräch und die Perspektiven der Autorinnen all das einbindet. Heutiger Feminismus müsse einen intersektionalen Anspruch haben und nicht bei Identitätspolitik stehen bleiben. Insbesondere die kleine Runde bietet Raum dafür, die Autorinnen und ihre aktuellen Arbeiten kennenzulernen.


Die Veranstaltung: Lea Sauer, Bettina Wilpert, Bibliothek MONAliesA – Feministische Bibliothek Leipzig, 12.3.2020, 19.00 Uhr


Das Buch: Lea Sauer, Bettina Wilpert in: „Neuer Feminismus?“, Nr. 104 der allmende – Zeitschrift für Literatur, Mitteldeutscher Verlag, , Dezember 2019, 12 Euro


Die Rezensentin: Mara Biesewinkel

 

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