»Leipzig. Niedlich. Albern.«

Sarah Kuttner stellt ihren neuen Roman »180 Grad Meer« vor.

Ausverkauft und bis auf den letzten Stehplatz gefüllt: Eine aufgeregte Besucherschar erwartet Sarah Kuttner. Gut gelaunt tritt die Moderatorin und Buchautorin auf die Bühne. Ein Tisch, ein Mikro und zwei Plakate, auf denen die Queen mit Hund abgebildet ist, mehr braucht Kuttner nicht und legt sofort los mit einem Foto vom Publikum. Die Plakate sind ein »Gimmick, für die coolen Leute, die das Buch tatsächlich schon gelesen haben«. Was es damit auf sich hat, verrät sie nicht.

Kuttner ist krank und bittet darum, sie »bitte so hinzulegen, dass man nicht unters Kleid schauen kann«, sollte sie ohnmächtig werden. Doch ihrer guten Laune tut ihr nervöser Magen keinen Abbruch. Sie witzelt, unterhält und erzählt liebevoll von Jule, ihrer Protagonistin im neuen Roman.

u1_978-3-10-002494-7»180 Grad Meer« sei ihr »erwachsenstes und ernstestes Buch, jedenfalls behaupten das die Kritiker«, Kuttner lächelt darüber und beginnt zu lesen.

Während die Autorin liest, hat man das Gefühl, die Protagonistin Jule würde selbst erzählen. Jules komplexer Charakter wird durch die verschiedenen Leseszenen greifbar und man empfindet viel Sympathie für das verdrehte Mädchen. Jede der Figuren bekommt eine eigene Stimme. Das Publikum hängt an Kuttners Lippen und lacht über jede noch so kleine Pointe, als wären sie »ein Haufen bekiffter Hühner«. Immerhin ist Kuttner dadurch »gleich viel weniger schlecht«. Zwischen einzelnen Kapiteln gibt sie kleine Anekdoten aus ihrem Alltag zum Besten, interagiert mit dem Publikum, lacht über sich selbst. Sie erfindet Wörter wie »Geiliness«, die vom Publikum in die Welt getragen werden sollen und schafft es gleichzeitig, die ernste Seite ihres Romans, die vielen Probleme ihrer Hauptfigur, leicht und luftig zu verpacken.

Das Buchcover, von Kuttner selbst designt, zeigt ein stürmisches Meer, nichts anderes, was den Blick versperren könnte. Denn genau so ein Rundumblick, eben 180 Grad Meer, rührten ihre Protagonistin und auch ein bisschen Sarah Kuttner, die ihre Herbstferien immer an der Ostsee verbrachte.

Nach der Lesung folgt ein Frageteil und das Publikum darf wirklich alles fragen, was es schon immer wissen wollte. So ereifert sich Kuttner über Carrie Bradshaw und unfreundliche Journalisten und stellt klar, dass keines ihrer bisherigen Bücher autobiografisch sei, obwohl dies oft angenommen würde.

Egal was im Raum passiert, Kuttner nimmt es als Aufhänger für viele kleine Geschichten, die sie munter und wortgewandt zwischen den Lesestellen einstreut. »Leipzig, niedlich, albern«, freut sich die Autorin und bewertet ihr Publikum am Ende sehr wohlwollend. Leipzig schaffe es sogar in die Top drei ihrer besten Lesungen.

»Wie die Geschichte ausgeht, erfahren Sie, wenn Sie das Buch lesen oder mit einer Person sprechen, die es getan hat.« Nach 90 Minuten verlässt Kuttner unter tosendem Beifall »für ne schnelle Zigarette« die Bühne und signiert danach geduldig jeden noch so kleinen Papierschnipsel, den man ihr unter den Stift hält. Ein Abend voller Geiliness!


Die Veranstaltung: Sarah Kuttner liest aus »180 Grad Meer«, Moritzbastei, 19.3.2016, 21 Uhr

Das Buch: Sarah Kuttner: 180 Grad Meer. S. Fischer Verlag, Frankfurt 2015, 272 Seiten, 18,99 Euro, E-Book 16,99 Euro


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Die Rezensentin: Saskia Wilcke

 


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