Leichen im Keller

»Ich selbst hatte schon einmal eine Leiche in meiner Wohnung.« Damit eröffnet die Autorin Mia Winter die Egmont Krimistunde und sichert sich auf der Stelle die volle Aufmerksamkeit der Zuhörer. Welcher Autor kann schon von sich selbst behaupten, dass eine echte Leiche in den eigenen vier Wänden zum Krimischreiben inspirierte? »Und ich musste mich mal einem DNA-Test unterziehen«, setzt Marcus Hünnebeck gleich hinterher. Nun kann es also keinen Zweifel mehr geben: Die beiden Krimi-Autoren aus dem Rheinland wissen genau, wovon sie schreiben.

Dass in dem heute Abend in einen Krimikeller umfunktionierten Central Kabarett ein überschaubares Publikum sitzt, tut nichts zur Sache, die Stimmung ist entspannt und ausgelassen. In den großen Sesseln fühlt man sich gleich selbst wie ein Detektiv und ist schnell verleitet, den Fall mit den Protagonisten gemeinsam zu lösen.

Mia Winter mit ihrem Krimi »18 – Zahlen des Todes«. © Maria-Louise Nitschke
Mia Winter mit ihrem Krimi »18 – Zahlen des Todes«. © Maria-Louise Nitschke

Im ersten Teil der Veranstaltung liest Mia Winter, die im wirklichen Leben Stefanie Koch heißt, aus ihrem aktuellen Krimi »18 – Zahlen des Todes«. Er spielt in Düsseldorf, und ihre LKA-Ermittlerin Leana Meister muss eine Mordserie klären. Entgegen aller Vorurteile, dass Autoren ihre Texte zwar schreiben können, aber das Vorlesen lieber anderen überlassen sollten, erzählt Winter die Geschichte lebhaft und unterhaltsam. Die Szenen, in denen die Charaktere ihren Frust rauslassen, gestaltet sie authentisch. Keine Spur von einer monotonen Lesung, man könnte glatt meinen, einer Hörbuchsprecherin zu lauschen.

Marcus Hünnebeck. © Maria-Louise Nitschke
Marcus Hünnebeck. © Maria-Louise Nitschke

Marcus Hünnebeck steht dem in nichts nach. Er stellt seinen bereits im September letzten Jahres erschienenen Thriller »Im Auge des Mörders« vor, in dem es um einen Serientäter in Köln geht. Von Zeit zu Zeit lassen es sich einige Zuhörer nicht nehmen, ihr Amüsement oder ihre Abscheu – je nach vorgelesener Textstelle – lautstark kundzutun, was wiederum andere Krimigäste zum Schmunzeln bringt.

Am Ende der Lesung lüftet Mia Winter noch das Geheimnis, wie die Leiche eigentlich in ihrer Wohnung landete. Dann leert sich das Lokal. Aber die Bücherregale der Zuhörer werden sich füllen, denn die Leichen aus dem Keller nehmen sie mit nach Hause.


Die Veranstaltung: Egmont Krimistunde, Marcus Hünnebeck und Mia Winter lesen aus ihren aktuellen Romanen, Central Kabarett, 17.3.2016, 19 Uhr

Die Bücher:

  • Marcus Hünnebeck: Im Auge des Mörders, Egmont LYX, Köln 2015, 316 Seiten, 9,99 Euro
  • Mia Winter: 18: Zahlen des Todes, Egmont LYX, Köln 2016, 350 Seiten, 14,99 Euro

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Die Rezensentin: Maria-Louise Nitschke

 


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