Kunstvolles Kunstloses Brot

Die Lesebühne »Kunstloses Brot« mit einem Buchmesse-Spezial.

Man betritt den Raum und fühlt sich gleich wohl. Aus allen Ecken schnappt man Gesprächsfetzen auf und die Stimmung ist gut, regelrecht familiär. Viele haben ein Getränk in der Hand und warten gespannt auf das, was folgt. Es ist rappelvoll in den Räumen der Texter-Kolonie im Tapetenwerk in Lindenau und das gegen alle Erwartungen, wie das Publikum später erfahren darf. »Unser Mutigster hat heute auf 23 Leute geschätzt.« Mit 23 lag dieser allerdings knapp daneben, am Einlass hat man 73 Besucher jeden Alters gezählt, und noch einige weitere folgten während der Lesungen.

Mit dem Satz »Mich kennen sie alle von der Bar« wird die Lesebühne eröffnet. »Der Mann von der Bar« erntet dafür gleich ein paar Lacher. Im Mittelpunkt des Abends stehen jedoch fünf andere Personen. Die Poetry-SlammerInnen Louise Kenn, Jan Lindner, Nils Matzka, Marsha Richarz und Sarah Teicher der Lesebühne Kunstloses Brot. Alle haben sie sich auf Sofa und Sessel versammelt und mehrere ihrer Best-of-Texte vorbereitet, die sie innerhalb von zwei Runden vortragen. In der Ersten macht Louise Kenn mit ihrem Text »Katharina« den Anfang und begeistert mit einer sehr persönlichen Geschichte über Annähern und Entfremden die Zuhörer. Ihr folgen sehr verschiedene Vorträge, mal lustig mal ernst. Von der »sittenstrengen Botschafterin Jesu« über »Paulaner« bis hin zum »Liegesturz« und »Matrjoschka[s]« ist alles dabei. Das Publikum ist locker und herzlich und entlohnt alle Poeten mit einem verdienten Applaus.

Zwischen den beiden Runden wird von Louise Kenn einen Unterbrechung eingeleitet »Wir machen jetzt 15 Minuten Pause, damit wir dann in 20 Minuten weitermachen können.« Auch in der Pause interagieren die Slammer mit dem Publikum, lachen und quatschen. Die zweite Runde folgt in gleicher Reihenfolge, aber mit komplett anderen Texten und auch Textarten. Besonders gut kommen die von Jan Lindner vorgetragenen Limericks an: »Drei Hetero-Frauen aus Speyer | die träumten schon lange vom Dreier. | Sie schauten sich an | und dachten dann: | »Uns fehln doch letztendlich die Eier.« Aber auch die anderen Vortragenden begeistern die Zuschauer mit Texten über »Hornissen«, »Grundschüler«, »Jean Kelly« und einen »ungeliebten Nacktmull«, wobei letzterer sich besonders im Gedächtnis verankert. Alles in allem war es ein sehr gelungener Abend, den man mit einem wohligen Gefühl wieder verlässt.


Die Veranstaltung: Lesebühne Kunstloses Brot, Texterkolonie, 18.3.2016, 20 Uhr

Statt Büchern:
http://www.jan-lindner.de/
http://louiseschreibtfueralle.com/
https://herrenlosesbier.wordpress.com/
https://wortistihrhobby.wordpress.com/
http://www.kosmodrom2323.de/lichtkegel/


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Die Rezensentin: Maria-Louise Nitschke

 

 


 

 

2 Gedanken zu „Kunstvolles Kunstloses Brot

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