Kolumne: Wunderbares Leipzig

Ich bin eine Pendlerin. Jeden Morgen steige ich in den RE 6 von Leipzig nach Chemnitz. Jeden Nachmittag hüpft mein Herz, wenn die Ansage: »RE 6 von Leipzig Hauptbahnhof, weiter als RE 6 nach Leipzig Hauptbahnhof – Vorsicht bei der Einfahrt!« durch den Chemnitzer Bahnhof schallt. Kurz vor Leipzig schlüpfe ich in meinen Mantel, postiere mich an der Zugtür und kann das schrille Quietschen des bremsenden Zuges kaum erwarten. Ich drücke per Knopf die Tür auf und meine Brust schwillt vor Glück. Ich bin zurück.

Nach vier Jahren als Studentin in Leipzig zieht mich diese Stadt noch immer jeden Tag ein wenig mehr in ihren Bann. Dass ich damit nicht allein bin, zeigte unlängst das Ergebnis einer großangelegten Umfrage. Demnach ist die Leipziger Innenstadt die attraktivste Deutschlands unter den Städten ab 500.000 Einwohnern. Stichworte wie der Thomanerchor, Bach, Mendelssohn, die Friedliche Revolution und neuerdings auch RB Leipzig ziehen jährlich tausende Besucher aus dem In- und Ausland zu uns. Ich beobachte sie amüsiert, wie sie sich neben der Bach-Statue postieren und zufrieden in die Kamera des Reisegruppenleiters lächeln. Um die Leipziger Musik wissen sie nun, doch einen ebenso eindrucksvollen Leipziger Schatz werden sie auf den Rundgängen kaum zu sehen bekommen, denn er wird leider nicht prominent beworben.

Die neuste Cityausstellung der Leipziger Buchwissenschaft entsteht gerade: »Fenster zur Welt: Internationale Literatur in der DDR aus dem Verlag Volk und Welt«. © Leipziger Buchwissenschaft
Die neuste Schaufensterausstellung der Leipziger Buchwissenschaft entsteht gerade: »Fenster zur Welt: Internationale Literatur in der DDR aus dem Verlag Volk und Welt«, hier: Burgstraße. © Leipziger Buchwissenschaft

Daher von mir ein wichtiger Hinweis an all unsere Gäste: Nicht nur Notenspuren durchziehen die Passagen in der Innenstadt, sondern auch Bücherspuren! Im Frühjahr zur Leipziger Buchmesse schweben und liegen sie unerwartet, aber sorgsam zusammengestellt in den Schaufenstern von Bekleidungs- und Fischläden. Die Leipziger Buchwissenschaft flutet die Innenstadt mit Büchern, um an diese Leipziger Tradition zu erinnern, denn ihre historische Bedeutung als Buch- und Verlagsstadt ist in unserer schnelllebigen Zeit etwas in Vergessenheit geraten. Dem schreiten und schreiben wir auch 2017 entschlossen entgegen. Haltet die Augen offen und die Ohren gespitzt!


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Daniela Schumann

 


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