Kolumne: Und der Gewinner des Preises der Leipziger Buchmesse ist …

Heute wird der Preis der Leipziger Buchmesse verliehen. Unsere Autorin hat hinter die Kulissen geblickt, denn die Faszination um diesen Preis und seine Gewinner, seine 12-jährige Geschichte und gegenwärtige Entwicklung werden Gegenstand ihrer Masterarbeit sein.

Gedämpfte Stimmen rauschen im Herzen der Glashalle, die geladenen Besucher strömen in den abgesperrten Bereich vor der Preisverleihungsbühne. Die nicht geladenen Besucher spähen auf der Brücke zwischen den Büschen hindurch, um zu sehen, was unten vor sich geht. Fotografen und Kameraleute positionieren sich für den optimalen Blick auf die Jury und die im Publikum sitzenden Autoren. In wenigen Minuten findet die Verleihung des Preises der Leipziger Buchmesse statt, ein Countdown auf einer riesigen Leinwand kündigt es an.

Wie in jedem Jahr werden am Messedonnerstag drei Preisträgerinnen und Preisträger in den Kategorien Sachbuch, Übersetzung und Belletristik ausgezeichnet. Die Jury findet zu jedem Buch lobende Worte, hebt die Einzigartigkeit des Themas, der Sprache und des Inhalts hervor. Alle fünfzehn nominierten Autoren sitzen wie auf heißen Kohlen im Publikum, denn bis zu dem entscheidenden Satz „Der Gewinner des Preises der Leipziger Buchmesse in der Kategorie Sachbuch/Übersetzung/Belletristik ist …“ weiß niemand, wer den Preis gewinnt. Im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen die Autorinnen und Autoren, aber die Begleiter aus den Verlagen sind mindestens so gespannt wie Nominierten selbst. Lesungstermine und Interviews wurden zuvor nur unter Vorbehalt geplant.

Hat der Autor oder die Autorin auf der Bühne den obligatorischen Blumenstrauß und die Urkunde entgegengenommen, steht ihm oder ihr die Freude ins Gesicht geschrieben. Manche können es noch gar nicht fassen und sind erst einmal sprachlos, andere halten fast schon oscarreife Reden und hoffen, dass sie am Ende niemanden vergessen haben. In der Laudatio würdigt die Jury die Ausgezeichneten noch einmal besonders, bevor sich nach Ende der Verleihungszeremonie zahlreiche Medienvertreter mit den unterschiedlichsten Interviewfragen und Fotowünschen auf sie stürzen. Ein Live-Interview jagt das nächste. Für die Gewinner ist der Tag auf der Messe erst zu Ende, wenn die Sonne die letzten Strahlen durch die Glashalle schickt und die meisten Besucher schon auf dem Weg zu den Veranstaltungen in der Stadt sind. Und meistens fängt der Lese- und Medienmarathon für den Preisträger jetzt erst richtig an.

Der Messedonnerstag ist bei den nominierten Verlagen und Autoren jedes Jahr von der Vorfreude auf die Verleihung geprägt, von der Hoffnung, dass der eigene Autor gewinnt, dem Medienrummel um die Gewinner – aber auch der Enttäuschung, wenn der Favorit doch nicht aus den eigenen Reihen kommt.


Ein Gastbeitrag von Inken Schelper


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