Kolumne: Buchmessestress

Morgen beginnt die Leipziger Buchmesse. Unsere Autorin hat nachgefragt, ob, wann und warum das in den Verlagen Stress bedeutet.

Während die einen die wichtigsten Pressetermine schon geplant haben und vor der Messe gemeinsam mit den Autoren den Ablauf für die vier Messetage durchgehen, haben andere Verlage noch mit dem Druck eines Titels zu kämpfen. Vor allem in den Wissenschafts- oder Sachbuchverlagen, die viele topaktuelle Titel bringen, kann es stressig werden, wenn der letzte Schliff noch auf die Tage vor der Messe fällt, damit das druckfrische Buch dann pünktlich auf den Tischen liegt.

Hektik und viel Aufwand bringt in jedem Fall die Suche nach einer günstigen Unterkunft mit sich, vor allem wenn man sich erst einige Wochen vor der Messe darum kümmert, zumal die Preise der Hotelzimmer zur Messe drastisch steigen. Viele Verlage beugen dem vor, indem sie Jahresverträge mit Hotels eingehen. Oder man macht es wie die Verlagsgruppe Random House, die eigens einen Mitarbeiter damit beauftragt, Hotelzimmer für alle Kollegen und Autoren zu organisieren. Die einzelnen Verlage verteilen dann am Ende die Zimmer an das Standpersonal und die Autoren, damit alle möglichst nah beieinander nächtigen. Wer kann, kommt bei Bekannten in der Nähe unter. Findet man einen Schlafplatz bei seiner Ex, dann sollte man natürlich aufpassen, dass die Freundin das nicht erfährt …

Spätestens auf der Messe wird sich Stress mit Sicherheit einstellen, weil man viel stehen muss, keine Rück­zugsmöglichkeit hat und vor allem wegen der vollen Messehallen überhaupt, mit der stickigen Luft, drängelnden Kollegen, gemütlich schlendernden Pensionärinnen und posierenden Cosplayern, die mit Rollköfferchen oder in platzgreifenden Kostümen den Weg versperren und Fotos machen. Der einzelne Besucher stellt kein Problem dar – es ist schön, wenn man sich als Verlag auch einmal mit den Lesern und Leserinnen persönlich austauschen kann –, aber die Masse der Besucher kann auf die Nerven gehen. Autoren und Verlagsmitarbeiter, die zu Terminen unterwegs sind, müssen also von vornherein mehr Zeit für den Weg einplanen.

Auf die Stimmung drücken ebenfalls unzufriedene Autoren, die nur wenige oder in ihren Augen unbedeutende Pressetermine bekommen haben. Die Verlage müssen sie am Stand bei Laune halten und trösten. Heutzutage wird es immer schwieriger, große Interviewtermine für Autoren aus dem Bereich der Unterhaltungsliteratur zu organisieren, weil sich die Masse der Medienleute auf wenige Titel konzentriert. Ist ein Autor nicht für einen Preis nominiert, wird es schon schwieriger, Aufmerksamkeit zu wecken.

Stress auf der Messe hat auch langfristige Nachwirkungen. Er kann dazu führen, dass man die darauffolgende Woche erstmal krank im Bett liegt, weil man zwischen Lesungen, Partys und Terminorganisation kaum geschlafen hat.

Viele Verlagsmenschen sehen das alles aber eher als Herausforderung an. Besonders für die Kolleginnen und Kollegen in der Öffentlichkeitsarbeit gehört die Messe zu den Kernaufgaben. Wer das als Stress empfindet, so raunt die Branche, sollte den Beruf wechseln. Denn es gilt: Eine gute Organisation im Vorhinein dezimiert Probleme und damit Stress.

Stress hin oder her: Im Großen und Ganzen bedeutet Buchmesse immer noch Freunde und Kollegen zu treffen, sich mit Lesern und Leserinnen auszutauschen und natürlich viele Gespräche über tolle neue Bücher zu führen.


Ein Gastbeitrag von Sabine Theiß


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