Klein, aber fein

Steffen Raßloffs neues Buch bietet einen komprimierten Einblick die Geschichte Mitteldeutschlands.

Wo ist eigentlich Mitteldeutschland? Mitteldeutschland ist da, wo der MDR sein Sendegebiet hat, klar. Aber abgesehen davon; worin besteht die Verbindung zwischen den heutigen Bundesländern Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen? Und wenn es da so eine Verbindung gibt, weshalb wurde 1990 dann nicht ein mitteldeutsches Bundesland gegründet, sondern drei verschiedene?

Der Erfurter Historiker Steffen Raßloff liefert mit seinem Sachbuch „Mitteldeutsche Geschichte – Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen“ eine gut 200-seitige Antwort auf diese und viele weitere Fragen. Wer war denn nochmal Otto der Große? Oder August der Starke? Diese Namen klingen vielen vertraut; aber wo und wann genau die beiden gelebt haben, wissen wohl die wenigsten. Und welche Rolle diese und andere historische Figuren wiederum für die mitteldeutsche Identität oder auch Nicht-Identität gespielt haben, kann auch kaum jemand beantworten. Nun, Raßloff kann es. In sachlichem, leicht verständlichem Stil gelingt es ihm, die historische Entwicklung der „Einheit der Vielfalt“ der mitteldeutschen Region(en) darzustellen und in die überregionale und transeuropäische Geschichtsschreibung einzuweben. In kurzen, aber prägnanten Kapiteln wird so der Werdegang Sachsens, Sachsen-Anhalts und Thüringens von der Frühgeschichte bis in die 1990er chronologisch dargestellt. Veranschaulicht wird das Ganze mit informativen Karten und zugehörigen Fotografien in guter Qualität.

Der geringe Umfang des Buches ermöglicht einen leichten Zugang, kann aber natürlich nicht mehr bieten als einen groben Überblick. Wer auf der Suche nach detaillierten Beschreibungen, quellenbasierten Analysen oder kritischen Einordnungen von geschichtlichen Ereignissen ist, dem sei von diesem Buch abgeraten. Raßloff gibt überwiegend Daten und Fakten wieder, ohne sich an dem Versuch aufzuhalten, die Geschichte neu zu bewerten oder ihr eine eigene Perspektive zu verleihen. Außerdem ist anzumerken, dass sich Raßloff vor allem auf die politische Geschichte Mitteldeutschlands konzentriert und auf andere Aspekte – wie etwa sozialgeschichtliche – höchstens am Rande eingeht.

Diese Kritik ist aber nur halb ernst gemeint, stellt sie doch einen Anspruch, den ein so bündiges Buch unmöglich erfüllen kann. Raßloffs Werk bleibt ein kleines, aber feines Sachbuch; und eben kein Fachbuch. Für Geschichtsinteressierte, egal ob aus Mitteldeutschland oder nicht, ist es als spannende und angenehm zu lesende Lektüre voll zu empfehlen.


Das Buch: Steffen Raßloff: Mitteldeutsche Geschichten. Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen. Sax-Verlag, Markkleeberg 2019, 240 Seiten, 24,80 Euro


Der Rezensent: Jakob Vogel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.