Kaffeekränzchen mit Liebknecht und Hardenberg

Café Karl: Begehrter Schmause-Treff – ganz unpolitisch

In dieser belebten Ecke Leipzig treffen sich Liebknecht und Hardenberg zum Kränzchen am Café Karl. Die beiden Herren leihen ihren Namen den Straßen, die dort zusammenlaufen. Würden sich die Zwei tatsächlich treffen, hätte es sie wahrscheinlich trotz ihrer unterschiedlichen politischen Gesinnungen nicht davon abgehalten, das Lokal auf ein Pläuschchen gemeinsam zu betreten. Die Wahl des Namens für das quirlige Café überrascht nicht, angesichts der bekannten »Karli«.
Für diejenigen, die die Straße in- und auswendig kennen, stellt sich die Frage, woher dieses schnuckelige Café so plötzlich kam? Tatsächlich pellt sich hier ein recht junger Gastbetrieb aus der Schale.

Erst im Mai des Jahres 2018 öffneten sich die gläsernen Türen. Dahinter verbirgt sich nun ein kleines verwinkeltes Café, das auf den zweiten Blick viel größer wirkt, als beim ersten Eindruck. Ein aufgeräumter Tresen mit einer Glasvitrine hinter der herrliche Kuchen locken zeigt sich zur Rechten. Der Blick wird unweigerlich angezogen von einem überdimensional vergrößerten Bild. Ein Mädchen schaut nachdenklich von der Wand herüber, während sich surreale Blumen, Farben und Formen in ihren Haaren und auf ihrem Gesicht zeigen.
Der Großteil der Wände strahlt in Weiß, was ab und an ein wenig kühl wirkt. Doch die Retroschilder hinter der Theke, die comicartige Collage, die auf der Treppe empfängt und das langegezogene Gemälde einer beobachtenden Frau lässt diese Wirkung bald verfliegen. Sofas und stoffbezogene Stühle laden zum Verweilen ein. Die Bilder von Bücherregalen im oberen Stockwerk flüstern einem zu, das eigenes mitgebrachte Buch herauszuholen und darin zu schmöckern. Am Fenster wartet eine weitere Besonderheit. Blumenkästen. Sobald man am Geländer gelehnt hinaus auf die Karli blickt, fühlt man sich wie auf dem eigenen Balkon.

Wand mit künstlerischer Tapete: »Die Träumerin« © Natalie Stolle

Zur Winterzeit besticht das Café eher durch seine ruhige Ader, doch man kann sich sehr gut vorstellen wie voll und lebhaft es werden wird im März zur Leipziger Buchmesse. Neben dem Herzenwunsch, ein Café zu eröffnen, verrät Jessika Wittmann, die Inhaberin, war es auch ein großer Traum von ihr, einen Beitrag zur Buchmesse zu liefern. Dafür stellt sie ihre Räumlichkeiten diesem jährlich wiederkehrenden Event erstmalig zur Verfügung. Dreimal gibt es die Möglichkeit, Lesungen zu unterschiedlichen Genres beizuwohnen.
Den Anfang macht Jakob Bedford, der seinen Roman »Abtrünniges Blut«, einen Krimi im London des 18. Jahrhunderts spielend, vorstellt. Mit »Rückkehr der Dämonen – Saliha Durmaz 5. Fall« gibt es die Möglichkeit, in düstere Fantasywelten abzutauchen. Last but not least werden die »Weltenbauer« vorgestellt mit einer anschließenden Diskussionsrunde rund um das Thema Fantasy.
Wer neben den Lesungen Durst oder Hunger verspüren sollte, wird hier sicher auch fündig. Kaffee jeder Art sowie täglich wechselnde Kuchen und Cocktails für die späten Stunden – für alles ist gesorgt. Liebhaber des Herzhaften kommen durch Sandwiches auf ihre Kosten.

Blick von der Theke zum Treppenaufgang © Jessika Wittmann

Alle Mitarbeiter*innen des beschaulichen Café Karls freuen sich auf die Buchmesse und sind an einem Gelingen sehr interessiert. Allerdings sollte jeder Fan des kleinen Stübchens rechtzeitig erscheinen, um sich einen Platz zu sichern. Wer es vorzieht, in gemütlicher lockerer Runde spannenden Lesungen zu lauschen, anstatt in unpersönlichen ausufernden Sälen, der ist hier gut aufgehoben. Allein schon wegen der expressiven Einrichtung lohnt ein Besuch.

Beitragsbild: Schriftzug im Steampunk Stil © Natalie Stolle


Adresse: Café Karl, Karl-Liebknecht-Straße 92, 04275 Leipzig, www.cafekarl.de


Die Veranstaltungen:
Jakob Bedford liest aus »Abtrünniges Blut«, 21.03.2019, 19:30 Uhr
Dieter Stiewi liest aus »Rückkehr der Dämonen – Saliha Durmaz 5. Fall«, 22.03.2019, 20:00 Uhr
Sam Feuerbach, Greg Walters, Mira Valentin – »Die Weltenbauer« – Lesen und Diskutieren zum Thema Fantasy, 23.03.2019, 19:30 Uhr


Die Rezensentinnen:

 

 

Natalie Stolle, Isabelle Goldammer

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.