Käpt’n Blaubär in der Straßenbahn

Ich treffe Jannik in der Linie 11, vertieft in ein dickes blaues Buch, und habe die Freude, ihm einige Fragen über das Lesen stellen zu dürfen.

Leipzig lauscht: Was bedeutet Ihnen das Lesen? Ist es eher Zeitvertreib oder Leidenschaft?

Jannik: Das ist eine schwierige Frage, denn alles, was ich darauf erwidern könnte, würde entweder plump oder überaus pathetisch klingen. In jedem Fall liebe ich am Lesen, dass es beides sein kann, sowohl Zeitvertreib als auch Leidenschaft. Gerade in der Straßenbahn hilft es mir dabei, die 50 Minuten, die ich zur Arbeit brauche, stets mit Neuem zu füllen, statt mir andauernd dieselben Häuser am Straßenrand anzusehen oder auf mein Handy zu starren. Im Moment zum Beispiel genieße ich es, Käpt’n Blaubärs Bericht von seinen abenteuerlichen 13 ½ Leben zu folgen und mich während der Lektüre immer wieder zu fragen, warum ich den alten Seebären in meiner Kindheit nicht so interessant wie heute gefunden habe.

Leipzig lauscht: Interessieren Sie sich auch für Lesungen? Wenn ja – besuchen Sie oft welche? Wenn nein – wieso nicht?

Jannik: Wenn Sie mich so fragen, fühle ich mich dazu angehalten, die Frage mit ja zu beantworten. Ich muss jedoch gestehen, dass man mich selten auf Lesungen sieht. Ich könnte ausweichend sein und sagen, dass ich nicht bei Facebook angemeldet bin und daher so ziemlich alle Veranstaltungen verpasse, doch das wäre nicht die ganze Wahrheit. Richtiger wäre wohl die Tatsache, dass ich leider häufiger, als ich es gerne hätte, überaus faul bin und ein Kinobesuch dann doch eine leichter verdauliche Art der Unterhaltung ist. Einfacher macht mir das Umgehen von Lesungsbesuchen außerdem die Tatsache, dass ich großer Hörspiel- und Hörbuch-Fan bin und mir deshalb sagen kann, dass mein Alltag ohnehin schon von vielen Lesungen begleitet wird. Der soziale Teil in mir sieht jedoch vor, mich in Zukunft häufiger bei ‚echten‘ Lesungen blicken zu lassen.

Leipzig lauscht: Haben Sie in der Vergangenheit die Leipziger Buchmesse besucht oder planen Sie, sie in Zukunft zu besuchen? Was denken Sie über die Leipziger Buchmesse?

Jannik: Auch wenn ich Germanistik studiert habe, habe ich es in all meinen sechs Jahren in dieser Stadt nicht ein einziges Mal auf die Buchmesse geschafft. Tatsächlich jedoch immer unverschuldet. Insofern plane ich in diesem Jahr – wie in jedem anderen Jahr davor auch – nun einmal wirklich dort aufzukreuzen. Ich finde es großartig, dass es die Buchmesse in Leipzig gibt und dadurch die lange Buchtradition dieser Stadt aufrechterhalten wird. Außerdem habe ich so jedes Jahr im März die Chance, ein tolles Event zu verpassen.

Leipzig lauscht: Nehmen Sie Leipzig denn als eine wichtige Buchstadt wahr?

Jannik: In letzter Zeit mehr als früher. Das liegt jedoch vielleicht eher an meiner derzeitigen Sicht auf den Literaturbetrieb als an der Stadt an sich. Mit dem Buchwesen scheint es hier ähnlich zu sein wie in einigen anderen Bereichen, die in der Stadt vertreten sind. Vielleicht haben sich nicht die Big-Player der Szene hier niedergelassen – oder sie sind sogar verschwunden. Das heißt jedoch nicht, dass das nicht auch eine Chance für die vermeintlich kleinen Fische wäre.

Beitragsbild: An der Straßenbahnhaltestelle © Zarah Sorger


Die Rezensentin:

 

 

 

Zarah Sorger

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