»It’s not 50 shades of Jew«

Ein typischer Eshkol Nevo Roman?

In Eshkol Nevos neuem Werk »Die einsamen Liebenden« geht es heiß her! Doch der Autor betont: »It’s not 50 shades of Jew«, vielmehr geht es um einsame Menschen, die sich alle nach irgendetwas sehnen. Deshalb wird sogar eine Mikwe, ein jüdisches Tauchbad, zweckentfremdet, indem es von mehreren Personen für ihre kleinen Liebeleien ausgenutzt wird. Für die Moderatorin Shelly Kupferberg ist dieses Buch »a typical Eshkol«. Diese Aussage entlockt dem Autor selbst ein amüsiertes Lachen, da er der Ansicht war, dass sein neues Werk vollkommen anders ist als die vorherigen.

Nevo ist 1971 in Israel geboren und hat schon unglaublich viele Preise mit seinen Büchern gewonnen. »It’s quite a lot!«, unterstreicht Kupferberg diese Bemerkung nochmals. Lachend berichtet Nevo von seinem ersten Besuch hier in Deutschland: »Ich war so überwältigt von allem, dass ich das Meiste wieder vergessen habe.« Auch dieses Mal ist er euphorisiert herzukommen und auch seine Deutsch Kenntnisse haben sich erweitert durch seine Bücher. Darum kennt er nun Wörter wie »Gummiwischer« und einige andere, die aber auf den Gesichtern der Zuhörenden erheiterte Fragezeichen erscheinen lassen.

Moderatorin Shelly Kupferberg und Eshkol Nevo (von links) © Sarah Schlapper
Moderatorin Shelly Kupferberg und Eshkol Nevo (von links) © Sarah Schlapper

In seinem neusten Buch geht es um den Bau einer Mikwe im russischen Einwandererviertel in der »Stadt der Gerechten«. In diesem wirkt es, als ob die Einwanderer von Russland nach Israel 1:1 übertragen wurden – an ihnen ist nichts Jüdisch. Es leben dort 99 Prozent russische Einwanderer, die meisten über 70 Jahre alt. Nevo bezeichnete sie liebevoll als »russian babushkas«. Die Mikwe, ein rituelles Tauchbad für orthodoxe Menschen, ist ein Ort, an dem sich die Frauen am Ende ihrer Menstruation reinigen können. Dann weiß jeder, dass sie danach nach Hause gehen, um mit ihren Männern zu schlafen – dieses Wissen liegt unausgesprochen in der Luft. Die Erotik im Buch kommt nicht zu kurz.

Kupferberg bezeichnet die Geschichte als satirisch und märchenhaft zu gleich, weil so viele verschiedene Charaktere aufeinandertreffen – wie ein reicher Amerikaner, ein Araber und viele andere. Es handelt von einsamen Menschen, losgelöst von ihrer Familie und alle auf der Suche nach irgendetwas. Der Autor selbst behauptet, dass es die einsamsten Menschen sind, über die er je geschrieben hat, aber: »It’s a comedy about loneliness.« Durch den großen Personenkreis erhält die Geschichte eine eindrucksvolle Dynamik. Doch warum sind es überhaupt so viele verschiedene Menschen, die alle miteinander agieren? »Es gibt mehr als nur eine Wahrheit – mehr als nur eine Perspektive«, erklärt Nevo. Während er schrieb, stellte er fest, dass ein Charakter allein nicht alles wissen kann, deshalb erschuf er einen weiteren und dann noch einen. Dadurch entstanden andere Charaktere, die die Geschichte aus anderen Blickwinkeln erzählen. Zum Abschluss drückt Nevo seine Begeisterung über die große Zuhörerschaft aus: »It’s exciting to see so many booklovers!« Autor und Zuschauer waren voneinander begeistert.


Die Veranstaltung: Eshkol Nevo liest aus Die einsamen Liebenden, Moderation: Shelly Kupferberg, 18.03.2016, 16 Uhr

Das Buch: Eshkol Nevo: Die einsamen Liebenden. Dtv, München 2016, 301 Seiten, 16,90 Euro


Schlapper_Profilbild_2016-02-08

 

Die Rezensentin: Sarah Schlapper

 

 


 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.