Ist das das wahre Leben?

Wie ausgelutschte Klischees und die schonungslose Wahrheit miteinander verschmelzen.

© Ueberreuter

In Michaela Kastels Jugendroman „C’est la fucking vie“ genießt die frisch 18 gewordene Sanni ihr Leben in vollen Zügen. Sie trinkt, sie kifft, lässt ihrer Sexualität freien Lauf und das alles ohne Rücksicht auf Verluste. Was ihr wirklich wichtig ist, sind ihre Freunde, besonders ihr bester Freund Niko. Nach einer durchfeierten Nacht steht Sanni nun vor der Wahl: entweder alles oder nichts. Entweder gibt sie ihre Freiheit auf oder verliert das Einzige, was ihr jemals etwas bedeutet hat.

Kastels guter Stil und die ausgeprägte, teilweise sogar lyrische Sprache nehmen einen sofort mit. Authentisch macht das Buch, dass sie hier absolut kein Blatt vor den Mund nimmt und die Geschichte schonungslos ehrlich erzählt. Die Protagonistin, Sandra Steinbach, scheint das ganze Buch über einen einzigen inneren Monolog zu halten, ihren besten Freund Nikolas benennt sie dabei mit „Du“. Dies verfremdet die Erzählweise etwas. Man fühlt sich zuerst als Leser selbst angesprochen und es dauert sehr lange bis man ein Verständnis dafür entwickelt hat, dass man selbst nicht gemeint ist und darüber hinweglesen kann.

Michaela Kastel. © Marie Bleyer

Die teilweise klischeehafte Darstellung eines heranwachsenden Mädchens erscheint überspitzt. Die Figur Sanni wurde egozentrisch, rücksichtslos und mit nymphomanischen Zügen gestaltet. Doch gerade, wenn man selbst in dieser Lebensphase steckt, kommt einem das Ganze doch eher surreal vor. Man erlebt die Jugend heutzutage mehr engagiert als träge, mit einer Vorliebe für eine ausgeprägte akademische Bildung. Kastels Darstellung hat somit in einigen Punkten so gar keine Relation zur „echten“ Jugend. Nichtsdestotrotz bringt einen der Roman zum Nachdenken über zwischenmenschliche Beziehungen. Verliert man sich selbst in einer Beziehung; gibt man sich auf? Oder entdeckt man sich neu und opfert sich für etwas Besseres, etwas Höheres auf?

Insgesamt kann „C’est la fucking vie“ also überzeugen und wer gerne Bücher liest, die zum Hinterfragen anregen, sollte sich unbedingt einmal daran versuchen.


Das Buch: Michaela Kastel: C’est la fucking vie. Ueberreuter Verlag, Berlin 2020, 384 Seiten, 18 Euro, E-Book 14,99 Euro


 

 

 

Die Rezensentin: Marie Schuster

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