»In Leipzig zu trainieren hat immer viel Spaß gemacht«

Eduard Geyer im Gespräch über sein Buch »Einwürfe« und die Welt des Fußballs.

Dresden gegen Rostock. Auf dem Fußballplatz stehen sich beide Teams just in dem Moment der Buchvorstellung sportlich gegenüber. In den Sesseln des ARD-Forums sitzen ebenfalls ein Dresdner und ein Rostocker, Eduard »Ede« Geyer und Moderator Jörg Schieke. Allerdings kommt es hier zur keiner sportlichen Auseinandersetzung, man befasst sich mit Geyers Buch, das durch Interviews mit Gunnar Meinhard entstand.

Im gut gefüllten Rund der ARD auf der Leipziger Buchmesse scheint sich der 71-jährige Geyer sichtlich wohl zu fühlen. Fußball ist seine Welt, sein Leben. Im Vergleich zu seinem aufbrausenden Verhalten während seiner aktiven Zeit als Trainer am Spielfeldrand, ist Geyer im Gespräch ruhig und gelassen. Schließlich laufen hier auch keine Spieler über den Platz, die seinen Anweisungen nicht Folge leisten und sich manchmal »wie die Nutten auf St. Pauli« verhalten. Er nimmt kein Blatt vor den Mund, was er auch im Buch mehrfach betont. Wenn ihm etwas nicht passt, dann teile er das seinem Gegenüber auch mit – ob in allen Momenten berechtigt, darüber lässt sich streiten.

Geyer hat viel zu erzählen, viele Trainerstationen durchlaufen, Erfolge gefeiert und bittere Niederlagen einstecken müssen. Als letzter Trainer der DDR-Nationalmannschaft kam für ihn die Öffnung der Grenzen aus Sicht des Sports »vier Wochen zu zeitig«, denn in den Köpfen der Spieler waren ab sofort ganz andere Dinge wichtiger. Seine erfolgreichste Zeit erlebte er als Trainer der Mannschaft Energie Cottbus von 1994 bis 2004, die er bis in die 1. Fußball-Bundesliga führte und dort drei Jahre halten konnte. Eine Startaufstellung mit zehn nichtdeutschen Spielern galt zu dieser Zeit noch als etwas Besonderes. Geyer macht darauf aufmerksam, »dass der FC Bayern letztens auch mit zehn Ausländern gespielt hat. Neuer war der einzige Deutsche«.

Eduard Geyer_EinwürfeViel spricht Geyer über seine Zeit bei Dresden, wo er als Spieler und Trainer tätig war. Dass er auch zweimal Station in Leipzig machte, geht oft unter, da die Zeit nicht zu seinen erfolgreichsten gehört, was allerdings nicht nur an seiner Leistung als Trainer vom FC Sachsen Leipzig gelegen habe. Unbedingt muss aber zur Sprache kommen, was im Hier und Jetzt im Leipziger Fußball vonstattengeht, meint er. Auf die Frage, ob er sich freue, wenn RB Leipzig den Aufstieg in die 1. Bundesliga schaffe, antwortet er nach kurzem Überlegen: »Na gut, das ist jetzt nicht meine Lieblingsmannschaft« und erntet dafür teilweise Applaus aus dem Rund. Geyer betont jedoch, dass er dafür sei und alles unterstütze, was legitim ist. Leverkusen und Wolfsburg agierten nicht anders, »hier geht’s auch nur ums Geld«. Und schnell wird dieses Thema im Gespräch abgehakt.

So ist es auch im Buch, wo vielen nur oberflächlich angerissen wird, wie zum Beispiel seine langjährige Tätigkeit als inoffizieller Mitarbeiter »Jahn« für das Ministerium für Staatssicherheit. Dieser Punkt seines Lebens bekommt weder im Buch noch im Gespräch viel Raum. Ihm fallen darauf keine »einfachen Antworten« ein. Wenn es aber irgendwann soweit ist, sollte es ein nächstes Buch über Geyer geben.


Die Veranstaltung: Gespräch mit Eduard Geyer, Moderation: Jörg Schieke, ARD-Forum, Halle 3, 19.3.2016, 15.30 Uhr

Das Buch: Eduard Geyer: Einwürfe: Über Fußball, die Welt und das Leben in Gesprächen mit Gunnar Meinhard. Neues Leben, Berlin 2015, 272 Seiten, 17,99 Euro


Dütsch_Foto_2016-02-08

 

 

Der Rezensent: Tommy Dütsch

 


 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.