Häufig fehlt der »geistige Impuls«

Buchvorstellung von »Bauen mit Künstlern« im Café bau bau.

Die Powerpoint-Präsentation ist eingerichtet, die Scheinwerfer strahlen und alle Beteiligten sind bereit. Eine halbe Stunde nach angekündigtem Beginn fehlt nur eins – das Publikum. Immerhin eine »junge Dame« ist gekommen. Man lächelt sich etwas ratlos zu, beschließt dann aber schnell: »Wir ziehen das jetzt durch.«

Nachdem sich alle Anwesenden mit der etwas skurrilen Situation abgefunden haben, steht das hochwertig gestaltete Buch im Mittelpunkt. Darin werden insgesamt dreißig Projekte des Münchner Architekten Peter Ottmann vorgestellt, die seit 1988 in Zusammenarbeit mit verschiedenen bildenden Künstlern entstanden sind. Robert Stalla, Vorstand des Instituts für Kunstgeschichte der TU Wien und Herausgeber des Buches, erzählt, dass die Idee, diese Arbeiten gesammelt in einem Band zu publizieren, einem seiner Studenten gekommen sei.

Wellpott_Cover Bauen mit Künstlern_2016-03-19

Zunächst wirkt die Verbindung von funktionaler Architektur und »funktionsloser« Kunst etwas abwegig. In einer knappen kunsthistorischen Einordnung von der Renaissance bis ins 20. Jahrhundert wird jedoch deutlich, dass die Gattungsgrenzen keineswegs immer so strikt waren, wie sie heute scheinen. Als Beispiele sind die Arts-and-Crafts-Bewegung aus England oder der Deutsche Werkbund e.V. zu nennen. So sieht Stalla die Arbeiten Ottmanns in langer Tradition und weist darauf hin, dass der aktuelle Diskurs über die Gattungsgrenzen derzeit zu einer Verschiebung dieser führt. Der Architekt selbst fügt pragmatisch hinzu, dass auch häufig finanzielle Gründe ausschlaggebend für die Zusammenarbeit mit Künstlern seien. Darauf geht Rudolf Herz, einer der Projektpartner von künstlerischer Seite, nicht näher ein. Er bemängelt jedoch, dass Architekten oft nur in formalen Kategorien denken würden und so eine inhaltliche Auseinandersetzung fehle.

Ein Gegenbeispiel ist da natürlich »Le Mystère du Munich«, ein gemeinsames Projekt von Ottmann und Herz, das neben weiteren vorgestellt wird. Dabei handelt es sich um die maßstabsgetreue Nachbildung der Wohnung, in der Marcel Duchamp in München lebte. Um 90 Grad gekippt wurde sie vor der Alten Pinakothek als Großskulptur aufgestellt. Sie wirkte wie eine leere Bühne und ermöglichte ungewöhnliche Blickwinkel, nicht nur in die Zimmer, sondern auch auf den Mitbegründer der Konzeptkunst.

So verpassen an diesem Abend viele die Möglichkeit, sich mit interessanten Projekten wie diesem, welches inzwischen wieder demontiert ist, in Anwesenheit der Künstler auseinanderzusetzen. Der Ort für die Veranstaltung hätte zudem auch nicht besser gewählt werden können, wird doch das Café der Galerie für zeitgenössische Kunst selbst immer wieder von Künstlern neu gestaltet. Dort führt man dann auch das lockere Gespräch nach der Buchpräsentation weiter, unter anderem über die Frage, ob nicht auch »Bauen als Künstler« ein geeigneter Titel gewesen wäre und später bestimmt auch über die Ursachen für die mangelnden Besucher.


Die Veranstaltung: Rudolf Herz, Peter Ottmann, Robert Stalla und Sebastian Thaut präsentieren Bauen mit Künstlern, Black Box im Café bau bau, 18.3.2016, 19 Uhr

Das Buch: Robert Stalla (Hg.): Bauen mit Künstlern. Park Books, Zürich 2016, 240 Seiten, 38,00 Euro


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Die Rezensentin: Hannah Wellpott

 

 


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