Gewitternacht und Hausmeister Harald

Ein Mystery-Thriller Debüt auf der Leipziger Buchmesse 2016.

Die junge Frau tritt hinter einer roten Pappwand hervor. Sie setzt sich in einen der sechs schwarzen Ledersessel auf der niedrigen Fantasy Lesebühne und winkt ihrer Familie zu, dann geht es los. Katharina Stein stellt sich den Zuhörern vor und erklärt, worum es in ihrem ersten Buch geht.

Die Protagonistin Jenny hat es als Kleinstadtjournalistin nicht leicht. Ihr größter Wunsch neben der Familiengründung mit Ehemann Daniel ist ein Abenteuer. Dieses lässt nicht lange auf sich warten, denn ein Doppelmord wird Thema ihres nächsten Artikels. Jenny wittert die Chance auf ihre erste Titelstory. Sofort beginnt die Journalistin mit der Recherche. Was sie dabei zu sehen bekommt, verfolgt sie bis in ihre Träume. Die Ereignisse werden immer verrückter und sie begibt sich beim Versuch, die Morde aufzuklären, selbst in Lebensgefahr.

Das Publikum besteht hauptsächlich aus Mädchen im Teenageralter und Grundschülern, die eindeutig zu jung für das Thema des Buches sind. Sie zeigen sich jedoch begeistert von den Szenen, die von dunklen Gewitternächten und dem armen Hausmeister Harald erzählen, der im Krankenhauskeller gefangen ist.

Stein kann ihre Nervosität kaum verbergen, dennoch liest sie laut und deutlich vor. Liest sie ein wenig monoton am Anfang, wird sie zum Ende hin lockerer. Sie hat nur 30 Minuten Zeit, um das Publikum von ihrem Buch zu überzeugen.

Katharina Stein vor ihrer Lesung aus „Alle Wege führen zum Tod“ © Dana-Elen Mähl
Katharina Stein vor ihrer Lesung aus „Alle Wege führen zum Tod“ © Dana-Elen Mähl

Die gelesenen Stellen sind lang. Das liegt vor allem am Schreibstil der Autorin. Jede Person wird dem Leser bis ins kleinste Detail vorgestellt. »Ich wollte Sympathie schaffen, bevor ich jemanden umbringe«, erklärt Stein mit einem Lächeln. Dies ändert leider nichts daran, dass die Szenen sich hinziehen, keine Spannung erzeugen und die Zuhörer unaufmerksam werden.

Zwischen den gelesenen Abschnitten gibt es nur kurze Pausen, die eher an einen schüchternen Schülervortrag erinnern: »So, das war die zweite Stelle.« Ein bisschen mehr Selbstbewusstsein würde der Autorin stehen. Im Großen und Ganzen ist die Lesung jedoch solide und lässt das Getümmel der Leipziger Buchmesse für einen Moment vergessen. Besonders die vielen Menschenmassen hätten sie nervös gemacht, nicht die Lesung und ihr Publikum, erzählt Stein im Nachhinein. Aber so ist das eben, wenn man sein Debüt gleich auf der Buchmesse vorstellen darf.

Die Lesung hat gefallen, das Buch eher weniger. Wortwiederholungen und hochtrabende Wortwahl sind leider keine Seltenheit. Auch bei der Ausführlichkeit gilt manchmal: weniger ist mehr. Im Gespräch aber ist die junge Autorin offen für Kritik und nimmt sich Anmerkungen zu Herzen. Da wünscht man gerne viel Erfolg für die Zukunft.


Die Veranstaltung: Katharina Stein liest aus Alle Wege führen zum Tod, 17.3.2016, 13.30 Uhr

Das Buch: Katharina Stein: Alle Wege führen zum Tod. net-Verlag Maria Weise, Tangerhütte 2015, 408 Seiten, 15,95 Euro


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Die Rezensentin: Dana-Elen Mähl

 


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