„Geld frisst Kunst. Kunst frisst Geld“ True Crime wie aus Hollywood.

In ihrem neuen Buch „Kunst und Verbrechen“ analysieren die Autoren und Kunstexperten Stefan Koldehoff und Tobias Timm die „dunkle Seite des Kunstmarkts“ und stoßen dabei auf sensationelle Kriminalgeschichten.

© Galiani Berlin, The Andy Warhol Foundation
Stefan Koldenhoff. © Josi Swafing

Das in sechs Kapitel unterteilte Buch liefert in seinen einzelnen Abschnitten eine detailliert und fundiert recherchierte Bestandsaufnahme und Analyse der Taten, sowie Methodik der Verbrechen wie zum Beispiel Artnapping, Geldwäsche durch Offshore Konten in Steueroasen auf der ganzen Welt und meisterhafte Anfertigungen von Fälschungen. Zum Schluss nennen Koldehoff und Timm konkrete Forderungen zur Beendigung der Kriminalität im Kunstmarkt.

Die Kapitel analysieren spannend aktuelle und historische Fälle, die anmuten als seien sie aus einem „Heist-Movie“ à la „Ocean’s Twelve“ gegriffen. Das Buch beleuchtet die Vorgehensweise der Täter wie auch die Tatgegenstände und deren Historie. Zu den aktuellen Fällen zählen das Verschwinden der Hundert-Kilo-Goldmünze aus dem Bode Museum in Berlin 2017, der Raub von Juwelen aus dem Grünen Gewölbe in Dresden 2019 und die Entdeckung vieler, angeblich echter Gemälde der russischen Moderne in einem hessischen Möbellager.

Tobias Timm. © Julian Röder/Ostkreuz

Das Kapitel über den Handel und die Fälschungen von Nazi-Reliquien, wie zum Beispiel „Toraks Pferde“ und die teils gefälschten Hitler-Aquarelle, gibt tiefe Einblicke in die deutsche Gesellschaft, die womöglich noch mit der Diktatur der 1930er- und 40er-Jahre sympathisiert.

Die Autoren gehen auch der Frage nach, warum gerade der Kunstmarkt so lukrativ für Kriminelle ist. Sie kommen zu dem Schluss, dass nicht nur das schnelle Geld, sondern auch Lücken in der Gesetzgebung und Unsicherheit in Bezug auf die Feststellung der Echtheit eines Werks Raum für Verbrechen geben. Da aber Gemälde und andere Kunstwerke sich weiterhin größter Beliebtheit als Investmentanlage oder Ausdruck von Reichtum erfreuen, wird es auch weiterhin Betrüger geben, die den Menschen mit Fälschungen das Geld aus der Tasche ziehen. Das sprachlich doch etwas anspruchsvolle Sachbuch liest sich über große Strecken hinweg wie ein spannender Krimi. Der/die kunstinteressierte Laie/Laiin kommt mit dem Buch voll auf seine/ihre Kosten und wird mit spannenden True Crime-Geschichten für die Abgründe im Kunstmarkt sensibilisiert.


Das Buch: Stefan Koldenhoff und Tobias Timm: Kunst und Verbrechen. Galiani-Berlin, Berlin 2020. 320 Seiten, 25 Euro, E-Book 19,99 Euro


Die Rezensentin: Pia Norwig

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