Facts and Fiction

Jacqueline Roussety stellt ihren neuen Roman »Wenn das der Führer sähe« vor.

Die warme und beeindruckende Erscheinung der Autorin begrüßte die Zuhörer, die den Saal des Bürgervereins Waldstraßenviertel betraten. Jacqueline Roussety wirkte nicht nur attraktiv, sondern sie strahlte auch eine große Portion Herzlichkeit aus. Der Saal selbst und die Stimmung passten wunderbar zur Autorin: die Wände übersät mit Gemälden und Zeichnungen, das Licht gedämpft. Ein gemischtes Publikum jeden Alters füllte den Raum fast vollständig. Jacqueline Roussety saß auf Augenhöhe mit den Besuchern an einem Tisch, darauf zwei Kerzen, die eine persönliche und stimmungsvolle Atmosphäre erzeugten.

Ihr neuer Roman trägt den Titel »Wenn das der Führer sähe«, und darin verwebt Roussety historisch belegte Fakten mit Fiktion. Sie erzählt die Geschichte von Walter Gröger, der im Zweiten Weltkrieg wegen Fahnenflucht erschossen wurde. Erst Jahrzehnte später erfährt seine Familie, was wirklich geschah. Eine Mitverantwortung für das Todesurteil trug der spätere Ministerpräsident von Baden-Württemberg Hans Filbinger.

Die Textpassagen las Roussety – als ausgebildete Schauspielerin ganz in ihrem Element – mit einer äußert angenehmen Stimme und mit viel Emotion. So fiel es denkbar leicht, sich beim Zuhören von der Geschichte mitreißen zu lassen. Als die Autorin ihre Lesung beendete, war es still im Saal, keiner klatschte. Alle Anwesenden, Jung und Alt, schienen immer noch in Gedanken und berührt. Erst nach einem kurzen Moment begann das Publikum, fleißig Fragen zu stellen. Das Interesse zeigte, dass die lange zurückliegende Geschichte von Walter Gröger ein beklemmendes Gefühl auslöste. Denn es waren erschreckend viele Parallelen zur aktuellen politischen Situation in Deutschland zu entdecken.


Die Veranstaltung: Jacqueline Roussety liest aus Wenn das der Führer sähe, Bürgerverein Waldstraßenviertel Leipzig, 17.3.2016, 19 Uhr

Buch: Jacqueline Roussety: Wenn das der Führer sähe, Acabus Verlag, Hamburg 2016, 768 Seiten, 27,90 Euro


Die Rezensentin: Johanna Greß


 

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