Es ist das Licht, das mein Leben lebenswert macht

Die Jesidin Shirin teilt ihre grausame IS-Gefangenschaft mit der Welt.

Am 3. August 2014 veränderte sich das Leben der 17-jährigen Jesidin Shirin von Grund auf. Sie wurde von IS-Terroristen gefangen genommen und an mehrere Männer als Sexsklavin verkauft. In dem Buch »Ich bleibe eine Tochter des Lichts« erzählt die junge Frau unter einem Pseudonym von ihrer Gefangenschaft und gibt uns Einblick in ihre Albträume.

Shirin konnte zu der Lesung nicht anwesend sein, weil ihre Familie noch immer vom IS festgehalten wird und sie in furchtbarer Angst lebt, sie durch ihre Aktionen in Gefahr zu bringen. Darum stellte der Mitwirkende Jan Kizilhan, Professor im Studiengang Soziale Arbeit mit psychisch Kranken und Suchtkranken an der dualen Hochschule Villingen-Schwenningen, in der Alten Handelsbörse am Naschmarkt in Leipzig das Buch vor und berichtete dem schockierten Publikum von Shirins grausamen Erfahrungen: »Man muss bedenken, dieses Mädchen machte ihre ersten sexuellen Erfahrungen durch Vergewaltigung. Das wird sie nie vergessen.« Die Landesregierung von Baden-Württemberg rettete mit einem Projekt ab dem Jahr 2014 bis zum Januar diesen Jahres, 1000 misshandelte Jesidinnen und Kinder und brachte sie nach Deutschland. Kizilhan traf das erste Mal auf Shirin im American Village im Irak. »Shirin ist eine sehr starke, trotzige und lebendige Frau«, beschreibt Kizilhan sie.

Die Jesiden sind eine religiöse Minderheit im Irak und werden brutal vom IS verfolgt. Für die Jesiden ist die Sonne der sichtbare Beweis für Gottes Existenz: »Ohne die Sonne können Menschen nicht leben«, berichtete Shirin Kizilhan. Deshalb werden sie auch Töchter des Lichts oder der Sonne genannt.

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Während viele Jesidinnen sich in den Flüchtlingslagern das Leben nahmen, weil sie in ihrer Religion durch diese »Schande« nicht mehr anerkannt wurden, bemerkte Kizilhan bei Shirin sofort: »Sie will kämpfen und überleben.« Momentan kontrolliert der IS neun Millionen Menschen in der arabischen Welt. Meistens werden Mädchen bereits im Alter von acht und neun Jahren vergewaltigt: »Menschen werden entmenschlicht.« Frauen werden verkauft und die Marktlage boomt, denn in der arabischen Welt scheint noch ein Interesse an der Sklaverei zu existieren. »Frauen werden vergewaltigt, um sie zu demütigen«, erklärt Kizilhan. Außerdem sind die Terroristen der festen Überzeugung, dass durch Vergewaltigung eine Nicht-Muslimin zur Muslimin wird. Im Islam ist es Brauch, sich vor dem Geschlechtsverkehr zu reinigen. Verlangte ein IS-Terrorist dies von der Frau, war es für sie das Zeichen, dass sie gleich vergewaltigt wird. Manche weigerten sich deshalb sich zu waschen oder beschmierten sich sogar mit Fäkalien, um mit diesem unangenehmen Geruch das Unausweichliche hinauszuzögern.

»Was der IS mit uns gemacht hat, ist schlimmer als der Tod«, erklärt Shirin im Buch. Doch trotz all ihrer Erlebnisse lässt sie sich nicht von ihrem Hass überwältigen. Wichtiger ist es ihr, auf die Situation aufmerksam zu machen und der Welt zu berichten, was dort geschieht. Inzwischen kann Shirin schon etwas Deutsch und geht hier zur Schule. Zum einen träumt sie davon Jura zu studieren, zum anderen durchlebt sie immer wieder Albträume, denn ihre Familie ist noch nicht in Sicherheit.


Die Veranstaltung: Jan Ilhan Kizilhan liest aus Ich bleibe eine Tochter des Lichts. Meine Flucht aus den Fängen der IS-Terroristen, Moderation: Annett Glatz, 18.03.2016, 19 Uhr

Das Buch: Shirin mit Alexandra Cavelius und Jan Kizilhan: Ich bleibe eine Tochter des Lichts. Meine Flucht aus den Fängen der IS-Terroristen. Europa Verlag, Berlin 2016, 368 Seiten, 18,99 Euro


 

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Die Rezensentin: Sarah Schlapper

 

 

 


 

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