Elefant, Tiger & Sams

Kunst- und Lesestunde mit Paul Maar im Zoo Leipzig.

Ist es ein … »Eichhörnchen?« »Löffelhund?« »Donut?« Die aufgeregte Kinderschar rät munter darauf los, was der freundliche Bartträger da vorn auf die Flipchart kritzelt. »Ich stelle mich vor, indem ich zeichne«, hatte er angekündigt. Und wirklich: Nachdem das Bilderrätsel gelöst ist, ergibt sich aus den Anfangsbuchstaben der erratenen Begriffe der Satz: Mein Name ist Paul Maar.

Die ersten Tiere, die die Grundschulkinder an diesem Morgen in der im kitschigen Neokolonialstil eingerichteten Hacienda im Zoo zu Gesicht bekommen, sind zwar nicht echt, werden aber durch die munteren Reime, die der Autor scheinbar einfach aus dem Ärmel schüttelt, lebendig illustriert. Ein Maler, der in Bücher malt, ein Illustrator, das ist nämlich sein zweiter Beruf, neben dem Dichter und Geschichtenerzähler, als den ihn alle kennen. Es scheint ihm wichtig zu sein, dies zu betonen, sind doch die Bilder im ersten Buch für heute »Kakadu und Kukuda mit Gedichten, Geschichten und Spielen durch das ganze Jahr« ausnahmsweise nicht von ihm. Dafür aber die Texte darin, die auch an diesem Vormittag für schallendes Kinderlachen sorgen.

samsNachdem die Kleinen soeben Zeuge werden durften, wie sich an der Flipchart die Metamorphose eines Eierbechers zum Löwen vollzogen hat, wird nun so einigen biologischen Mythen auf den Grund gegangen. Es wird geklärt, warum die Meise so gemein ist, was ein Warzenschwein ohne Führerschein macht und wie eine Kängurumutter improvisiert, wenn ihr Kleines statt der gewünschten Beeren zu den Pfannkuchen Bären zum Abendessen mitbringt – ganz einfach, sie serviert Honig dazu.

Bestimmt hätte der Autor auch mit diesen heiteren Tiergeschichten und Gedichten die Kinder eine Stunde bei Laune halten können, doch bei einer richtigen Paul-Maar-Lesung kann er doch nicht auf seine berühmteste Figur verzichten. So gesellen sich nun mit flottem Strich auch noch Herr Taschenbier, Frau Rotkohl, Herr Mohn und natürlich das Sams auf das weiße Papier. Für die Jüngeren hat er fix die Vorgeschichte zusammengefasst, um dann noch ein paar Seiten aus dem neuesten, dem achten und nun wohl endgültig letzten Samsbuch zum Besten zu geben.

Nachdem jetzt also sichergestellt ist, dass eine weitere Generation dieses irrwitzige Wesen mit der Schweinsnase, dem roten Wuschelhaar und den Wunschpunkten zu ihrem Helden machen wird, beantwortet der immerhin bald 79-Jährige auch noch geduldig die altbekannten Fragen zum Autorenberuf, dem er treu bleiben möchte, solange die Ideen immer noch jeden Morgen pünktlich um neun zu ihm kommen, wenn er sich an den Schreibtisch setzt.

Die Kinder und auch ihre erwachsenen Begleiter, die sich durch das Zücken so manch ausgelesener Maar-Exemplare aus ihren Taschen als treue Fans erweisen, holen sich noch schnell ein Autogramm. Dann brechen sie zu ihrer Zooexpedition auf. Wobei fraglich ist, ob die nun überhaupt noch zu begeistern vermag, wenn sich nicht gerade ein Löwe in einen Eierbecher verwandelt, oder auf einmal das Sams um die Ecke biegt.


Die Veranstaltung: Mit Gedichten, Geschichten und Wort-Spielen durch das ganze Jahr. Paul Maar stellt sein neues Hausbuch vor. Zoo Leipzig Hacienda Las Casas, 18.3.2016, 9.30 Uhr

Die Bücher: Paul Maar: Kakadu und Kukuda. Verlag Friedrich Oetinger, Hamburg 2016, 224 Seiten, 16,99 Euro, E-Book 12,99 Euro

Ein Sams zu viel. Verlag Friedrich Oetinger, Hamburg 2015, 144 Seiten, 12,99 Euro, E-Book 9,99 Euro


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Die Rezensentin: Hanna Haupt

 

 


 

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