Ein Titel mit »Stern«, der nicht nach einem Schlager klingt

Sophie Schönhammer und Anna Backhausen stellen ihren ersten Manga im Verlag Tokyopop vor.

Ein Manga braucht nun mal einen ansprechenden Titel. Will man aber ein so abgegriffenes und mit Klischees behaftetes Wort wie »Stern« benutzen, kann sich das schwierig gestalten. Aber der Stern ist nun einmal ein wichtiger Bestandteil des Werkes »Sternensammler«, der beiden Mangaka Sophie Schönhammer und Anna Backhausen.

Viele Themen werden bei der Buchvorstellung behandelt. Running Gags sind der Typ im Anzug, der Chef, und ein künstlicher Streit, den die Moderatorin gerne zwischen den Autorinnen auf der Bühne provozieren würde. Den gibt es aber genauso wenig, wie einen Plan für die Veranstaltung am Schwarzen Sofa in Halle 1 der Manga-Comic-Convention.

Anna beim Live-Zeichnen der Hauptcharaktere. © Alexandra Schmidt
Anna beim Live-Zeichnen der Hauptcharaktere. © Alexandra Schmidt

Halt! Entschuldigung! EINEN Plan gibt es doch und der besagt: Stellt euch hin und erzählt etwas über euch und euren Manga. Ach ja, und ein Live gezeichnetes Bild wollen wir auch noch. So wirkt es zumindest, als die beiden zusammen mit Moderatorin Katrin Aust auf der Bühne stehen. Obwohl beide schon seit mehreren Jahren Doujinshis zeichnen, bei Anthologien mitwirken und diese auch im Selfpublishing veröffentlicht haben, scheinen solche Auftritte für sie völlig unbekannt zu sein. Die ganze Situation ist zwar locker, doch wirkt sie auch sehr unbeholfen und improvisiert. Die Moderatorin scheint selbst nur wenige Fragen vorbereitet zu haben. Nachdem diese viel zu schnell abgehakt sind ist, hofft sie auf die Unterstützung des Publikums. Das weiß aber wohl schon alles und so driften die Themen in alberne, aber für junge Mangaka nicht ungewöhnliche Gefilde ab.

Weder die Autorinnen noch die Moderatorin wirken geübt in solch einem Auftritt. Auch wenn die drei Beteiligten sympathisch sind, ist alles noch unprofessionell. Dass nur ein Mikrofon funktioniert und sie dieses immer im Kreis herumreichen müssen, ist nicht ihr Verschulden, aber trägt auch dazu bei.

Im Gegensatz dazu steht der Manga, den sie vorstellen sollen. Sophie schreibt die Geschichte und Anna setzt sie auf dem Papier um. Das gelingt ihnen in jedem Fall. Dafür sprechen nicht nur ihre vielen Veröffentlichungen in eigener Regie, sondern auch der Gewinn des Doujinshi-Preises 2014. Die Geschichte des Boys-Love-Manga oder Shonen-Ai ist schnell erzählt. Fynn, den Anna als faulen und lässigen Raucher charakterisiert, wird von seiner taffen Freundin Zoe abserviert mit dem Hinweis, ob er nicht vielleicht doch auf »was Anderes« steht. Um sich von diesem Schock zu erholen, geht er auf seinen Lieblingsberg um zu rauchen. Dort trifft er auf den engagierten und zielstrebigen Niko. Dieser benutzt den Berg, um in der Nacht seiner Leidenschaft nachzugehen, dem Beobachten der Sterne.

Anna beim Live-Zeichnen der Hauptcharaktere. © Alexandra Schmidt
Anna beim Live-Zeichnen der Hauptcharaktere. © Alexandra Schmidt

Anna verrät, dass sie lieber Panels als Kolorationen malt. Die Leidenschaft dafür ist den Seiten deutlich anzusehen. Sie sind nicht überladen und es wurde großes Augenmerk auf den Ausdruck der Charaktere gelegt. Das Ende der Ausgabe ist offen und macht neugierig auf die folgenden. Zudem ist die Form, in der der Manga herausgegeben wurde ungewöhnlich. Es ist kein Sammelband, sondern er enthält nur ein Kapitel. Das Format ist größer als normal bei Tokyopop. Für die wenigen Seiten wird ein stolzer Preis von 8 Euro fällig. Dafür bekommt man aber auch viele Gimmicks. Enthalten sind ein Aufkleber, eine schöne Karte und ein Poster. Aber auch das Cover an sich kann man in seiner Gestaltung mit unterschiedlichen Materialien als Gimmick bezeichnen.

Anna und Sophie verdanken wir einen wirklich schönen Manga von deutschen Autoren. Angesichts dessen kann man den beiden ihren zweifelhaften Bühnenauftritt verzeihen.


Die Veranstaltung: Sternensammler live, Moderation: Katrin Aust, Schwarzes Sofa Halle 1 Messegelände, 17.3.2016, 16.00 Uhr

Das Buch: Sophie Schönhammer, Anna Backhausen: Sternensammler. Tokyopop, Hamburg 2016, 40 Seiten, 8 Euro


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Die Rezensentin: Alexandra Schmidt

 

 


 

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