Ein Kriminalroman, der vielleicht doch mehr ist als das

Warum sich »River Clyde« vielleicht mehr als Geistergeschichte und feministisches Manifesto eignet.

© Samira Dhaoui

Dieses Jahr ist alles anders. Das Lesefest „Leipzig liest“ findet statt. Doch anders als gewohnt. Anstatt selbst im Publikum im ARD-Forum in der Alten Handelsbörse zu sein, durfte ich im Online-Livestream des MDR gespannt der Lesung zu hören. Thema der Lesung: Das neue Buch von Schriftstellerin Simone Buchholz, River Clyde. Dabei handelt es sich um den letzten Teil ihrer Chastity Riley-Reihe und den Abschluß der Kriminalgeschichten der Hamburger Staatsanwältin mit einem zehnten Buch. »Ich glaub, sie hat die Schnauze voll von mir«, witzelt Simone Buchholz im Gespräch mit 3sat Moderatorin Vivian Perkovic als sie gefragt wird, wieso sie ihre Romanreihe abschließen wollte. »Wenn die Geschichte zu Ende erzählt ist, wenn die Figur repariert ist, dann ist es halt auch vorbei«, zitiert Simone Buchholz Schauspieler Charly Hübner und erklärt, dass sie ihrer Figur ein bisschen Ruhe geben möchte nach dem sie sie schon so lange durch die Mangel gedreht hatte. Die Pandemie hat nicht nur unsere Welt auf dem Kopf gestellt. Simone Buchholz erzählt, »uns ist Realität weggebröckelt und das ist mir auch beim Schreiben passiert.« Plötzlich wurde aus dem Krimiroman ein Fantasyroman mit Geistergeschichten – sprechende Tiere, Visionen und Geister. Ihre Träume und das Fantasieren in ihrer »Zwischenwelt«, bei der sie ihre Figuren mit sich reden lassen hat, haben ihr im Schreibprozess geholfen. Mit ihrer angenehmen, lässigen, kühlen Stimme liest Simone Buchholz ein paar Buchpassagen vor, während Vivian Perkovic und wir, die Zuschauer des Livestream, interessiert zuhören. Vivian Perkovic bemerkt hierbei, dass die sonst so harte Riley in diesem Buch ihre Rüstung fallen lässt und auch die Männer im Buch mal ihre Gefühle zeigen dürfen, was nicht immer der Fall ist. Als »feministisches Manifesto« bezeichnet die Moderatorin das Werk, während die Autorin eine passende Stelle vorliest. Eine sehr interessante und angenehme Lesung mit einer gut vorbereiteten Moderatorin, einem hervorragenden Buch und einer lässigen Autorin.


Die Veranstaltung: Simone Buchholz im Gespräch mit Vivian Perkovic, 3sat und Suhrkamp Verlag, ARD-Forum in der Alten Handelsbörse online im Livestream (siehe mdr.de), 28.05.2021, 13:00 Uhr


Das Buch: Simone Buchholz: River Clyde. Berlin: Suhrkamp Verlag 2021. 230 S., 15,95€


  

 

Die Rezensentin: Samira Dhaoui

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