»Eigentlich lasse ich mich vom Publikum unterhalten«

Patrick Salmen liest Kurzgeschichten aus seinem neuen Buch »Genauer betrachtet sind Menschen auch nur Leute«.

Eine Stunde vor Veranstaltungsbeginn füllt sich der obere Gastraum des Café Puschkin langsam. Eine halbe Stunde später geht bereits nichts mehr: Alle Plätze sind belegt, und einige Zuhörer sitzen auf der Treppe oder auf dem Boden. Alle sind ins gemütliche Lokal auf der Karl-Liebknecht-Straße gekommen, um den neuesten Ergüssen Patrick Salmens zu lauschen. Der junge Poetry-Slammer hat sich mit seinen Kurzgeschichten bereits eine solide Fanbase ertextet. Sein Video »rostrotkupferbraunbronze« hat auf Youtube über 2 Millionen Klicks und machte den passionierten Bartträger so bekannt, dass er nun mit seinem eigenen Programm durch die Bundesrepublik tourt und bereits diverse Bücher veröffentlicht hat.

»Es ist krass voll hier«, bemerkt Salmen, als er sich hinter den Stehtisch begibt, der als Lesepult dient, um das einstündige Programm zu eröffnen. Die Location erlaubt keine nennenswerte räumliche Distanz zwischen Autor und Zuschauern. Das Licht ist gedimmt und alle sitzen eng aneinander gedrängt. Es herrscht eine gewisse Wohnzimmeratmosphäre, die alle, inklusive des Autors, sichtlich genießen.

Der Autor Patrick Salmen. © Fabian Stürtz
Der Autor Patrick Salmen. © Fabian Stürtz

Man merkt Patrick Salmen an, dass er ein Bühnenmensch ist. Das Publikum hängt an seinen Lippen, als er Anekdoten zum Besten gibt und sich selbst beschwingt durch das Programm moderiert. »Ich rede immer sehr viel zwischendurch, ich schweife oft ab«, entschuldigt er sich bereits zu Beginn. Doch genau das scheint das Publikum an ihm zu schätzen: die spontanen Interaktionen mit den Zuhörern und die kleinen Geschichten, die er immer wieder einstreut, wenn er gerade nicht mit tiefer, beherrschter Stimme vorliest. Neben lustigen Begegnungen auf Zugreisen und statistischen Erhebungen zu unterschiedlichen Teebeutelnutzern beschäftigt sich Patrick Salmen vor allem damit, Alltagssituationen mit trockenem Humor zu analysieren. Angeblich seien es alles wahre Geschichten.

Kastenmeier_Salmen Cover_2016_19_03Schallendes Gelächter erfüllt an diesem Abend das Café Puschkin. Eine Zuschauerin gibt sich derart ungezügelt ihrem Lachen hin, dass der Autor seine Lesung unterbricht, um scherzhaft mit ihr in Verhandlung zu treten, ihn doch auch bei kommenden Auftritten als Stimmungskanone zu unterstützen.

Nicht nur aus seiner neuen Kurzgeschichtensammlung »Genauer betrachtet sind Menschen auch nur Leute« liest Patrick Salmen vor. Er lässt es sich auch nicht nehmen, ein paar Rätselgeschichten aus seinem Buch »Du kannst alles schaffen, wovon du träumst. Es sei denn, es ist zu schwierig« vorzutragen und die Anwesenden zum Mitraten aufzufordern. »Eigentlich lasse ich mich vom Publikum unterhalten«, sagt er. Die Unterhaltung scheint an diesem Abend tatsächlich auf Gegenseitigkeit zu beruhen, und der Autor kann sich nach der Lesung kaum vor Autogrammjägern retten, die seine Bücher kaufen und eine lustige Widmung ergattern wollen.


Die Veranstaltung: Patrick Salmen liest aus Genauer betrachtet sind Menschen auch nur Leute, Café Puschkin, 19.3.16, 19 Uhr

Das Buch: Patrick Salmen: Genauer betrachtet sind Menschen auch nur Leute. Knaur, München 2016, 224 Seiten, 9,99 Euro, E-Book 9,99 Euro


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Die Rezensentin: Lena Kastenmeier

 


 

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