»Donald Trump’s worst nightmare«

Aleksandar Hemon präsentiert seinen Roman »Zombie Wars« auf der Leipziger Buchmesse.

»I wanted to write a funny book«, sagt Aleksandar Hemon über seinen Roman »Zombie Wars«. Der Titel lässt dies auf den ersten Blick nicht unbedingt vermuten, weckt er doch vielmehr Assoziationen mit verwesenden Untoten, die getrieben von der Gier nach menschlichem Fleisch ihren Gräbern entsteigen. Tatsächlich verbirgt sich hinter dem Namen eine »Kritik an den Allmachtsfantasien Amerikas«, wie der Klappentext verrät, die als Komödie verpackt, einige Parallelen zu Hemons eigenem Leben aufweist.

Bevor Hemon im Gespräch mit Moderator Thomas Böhm aber auf die Entstehungsgeschichte des Buchs eingeht, entschuldigt er sich dafür, nicht im Mangakostüm oder gleich als Zombie erschienen zu sein. Denn ein paar Untote hält der Roman dann doch für den Leser bereit, wenn auch nur in der Fantasie des Protagonisten Joshua Levin. Dieser träumt davon, Drehbuchautor zu werden, und entwickelt eine Story mit dem Titel »Zombie Wars«, die wie viele derartige Filme in einer von einem Zombie-Virus befallenen Welt spielt. Um seinen Lebensunterhalt zu finanzieren, arbeitet Joshua als Englischlehrer für Immigranten und bandelt dabei mit Schülerin Ana an. Das Problem ist nur, dass er eigentlich mit seiner Freundin Kimiko zusammen ist. All dies spielt in Chicago im Jahr 2003, zwei Wochen vor dem Ausbruch des Irak-Krieges.

Trotz des Humors und der klassischen Dreiecksliebesbeziehung beschäftigt sich Aleksandar Hemon in »Zombie Wars« mit den für ihn typischen Themen von Entwurzelung, Identitätssuche und Gewalt. Er wurde selbst 1964 in Sarajevo geboren und kam 1992 eigentlich nur für ein paar Monate in die USA. Der Bürgerkrieg in Bosnien-Herzegowina machte ihm eine Rückkehr in die Heimat unmöglich, weshalb er von da an als Einwanderer in Chicago lebte. In dieser Zeit gaben ihm zwei Dinge halt: zum einen Fußball, der ihn mit Leuten aus aller Welt zusammenbrachte, die sein Schicksal teilten; zum anderen das Schreiben auf Englisch. Als »Donald Trump’s worst nightmare«, bezeichnet er die Gegend, in der er lebte, denn dort werden bis zu 120 verschiedene Sprachen gesprochen.

Aleksandar Hemon. © Nina Subin
Aleksandar Hemon. © Nina Subin

Sein Protagonist Joshua ist ein Charakter, der ohne stabile ethische Maßstäbe durch die Welt geht. Dass er Sex mit zwei Frauen hat, erfüllt ihn mit einem unglaublichen Machtgefühl, fernab von Moral und Konsequenz. Hemon sieht in diesem Verhalten eine Analogie zum Mechanismus des Krieges. Auch der Krieg kennt keine Moral, keine Konsequenz. Länder werden angegriffen, doch vor den daraus resultierenden Flüchtlingsströmen werden die Augen verschlossen. Stattdessen müsste man sich dem Privileg des eigenen Lebensstandards bewusst werden und benachteiligten Menschen bei ihrer Fortentwicklung unter die Arme greifen.

Die Lesung endet mit einer von Hemon auf Englisch vorgetragenen Passage aus dem Roman. Hinterher nutzen eine Handvoll Besucher die Möglichkeit, Autogramme zu ergattern. Besonders ein junger Mann fällt dabei ins Auge, hat er doch gleich einen ganzen Stapel Bücher zum Signieren dabei.


Die Veranstaltung: Aleksandar Hemon liest aus Zombie Wars, Moderation: Thomas Böhm, präsentiert von der Amerikanischen Botschaft, 19.3.2016, Messegelände Halle 4, Forum International und Übersetzerzentrum, 14 Uhr

Das Buch: Aleksandar Hemon: Zombie Wars. Knaus Verlag, München 2016, 320 Seiten, 19,99 Euro, E-Book 15,99 Euro


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Der Rezensent: Tim Reischke

 


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