Die Jagd der Begabten

Mit „Verbena. Hexenjagd“ liefert die Kinder- und Jugendbuchautorin Ruth Anne Byrne den ersten Teil ihrer neuen Fantasy-Trilogie.

Die 17-jährige Verbena erfährt, dass sie eine der sogenannten „Begabten“ ist. Sie hat die Fähigkeit, in den Geist ihres Marderjungen Malve einzutauchen. Mit dem Beschluss, Malve zu behalten, bringt sie sich und ihre Ziehmutter, die Heilerin Alraune, in größte Gefahr. Hexenjäger, zu denen auch der Antagonist Korvinus von Seggensee gehört, durchstreifen das Land. Diese Gruppe von „Hütern“ haben in ihrer Mordlust ohnehin schon ein Auge auf Heilerinnen geworfen, deren Wirken unter Umständen unerklärlich oder gar magisch für manch einen erscheinen kann. Hinzu kommt, dass ein junger Mann namens Valerian nach einem Überfall schwer verletzt in ihre Heilerei gebracht wird. Er überlebt knapp, ist allerdings von diesem Zeitpunkt an erblindet und auf die Hilfe Verbenas angewiesen. Sein Verhalten lässt vermuten, dass auch er etwas zu verbergen hat.

Im März 2020 veröffentlichte der Fabulus Verlag den Titel „Verbena Hexenjagd“ von Ruth Anne Byrne. Sie wurde 1975 in Innsbruck geboren und betreibt an der Medizinischen Universität Wien Verhaltensforschung an humanitären Zellen. Seit fünf Jahren hat sie nun auch das Schreiben für sich entdeckt.

Gleich zu Beginn fällt auf, mit welcher Qualität und vor allem Liebe zum Detail das Buch selbst gestaltet ist. Der Buchdeckel der Hardcover-Variante ist mit Prägedruck versehen. Innen findet sich ein Lesebändchen und die erste und letzte Seite zeigen eine Karte des Handlungsortes. Der Buchschnitt der Hardcover-Variante ist mit Zeichnungen des Echten Eisenkrautes (lat. Verbena officinalis) verziert und spielt damit offensichtlich auf den Namen der Protagonistin an. Generell nehmen die Namen der wichtigsten Figuren oft Bezug auf deren Aussehen oder deren Verhalten. So wird der Name des verletzten Valerian abgeleitet vom lat. valere, was so viel bedeutet wie gesund oder stark sein. Der Antagonist Korvinus (lat. für Rabe) wird wiederum mit einer Nase, ähnlich dem Schnabel einer Krähe, beschrieben. Dies zeigt eindeutig, dass die Autorin nichts dem Zufall zu überlassen scheint. Dies spiegelt sich auch im Inhalt wider. Die Verhaltensweisen der Figuren passen zu ihrem Charakter und sie handeln so, wie man es von ihnen erwartet. So hat Verbena eine sehr starke Frauenrolle inne. Sie verhält sich in vielen Entscheidungen, die sie zu treffen hat, sehr erwachsen und opfert viel ihrer Zeit um andere zu unterstützen, obwohl sie als Teenagerin gern mehr mit ihren Freunden unternehmen würde. Des Weiteren ist sie sehr intelligent und bedacht in ihren Handlungen, hat aber auch die alltäglichen Aufgaben und Sorgen eines Teenagers zu meistern. Damit bildet sie ein ideales Vorbild für Teenager, die dieses Buch besonders ansprechen soll. Gleich zu Beginn der Geschichte eine Vielzahl von Namen genannt, die dem Leser fremd sind, was zu Irritationen führen kann, da es sich bei diesen Namen außerdem auch um Pflanzengattungen handelt. Dieses Problem erübrigt sich allerdings, wenn man ein paar Seiten weitergelesen hat. Außerdem kann man am Ende des Buches noch eine Auflistung aller Charaktere finden.

Eine weitere Auffälligkeit ist, dass dem Werk ein richtiger Höhepunkt fehlt. Es gibt viele spannende Stellen, aber keine, die wirklich heraussticht, sodass man sie als solchen benennen könnte. Allerdings ist klar, dass die Geschichte Verbenas noch nicht abgeschlossen ist. Der erste Band verspricht, dass Wende- und Höhepunkte definitiv noch folgen werden. Dieses Werk macht neugierig, wie es Verbena und Valerian in Zukunft ergehen wird. Auch wenn es sich bei diesem Werk um ein Jugendbuch handelt, besitzt es Potential, auch Leser über das Teenageralter hinaus zu begeistern. Der Roman Verbena Hexenjagd ist meiner Meinung nach eine echte Empfehlung für Fans des Fantasy-Genres. Sie werden das Buch nicht aus der Hand legen können und auch ich persönlich kann eine Fortsetzung der Reihe kaum erwarten und freue mich auf den zweiten Band.


Das Buch: Ruth Anne Byrne: Verbena. Hexenjagd. Fabulus Verlag, Fellbach 2020, 272 Seiten, 17 Euro, E-Book 13,99 Euro


Die Rezensentin: Laura Schönfelder

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