»Dialoge« zwischen Godot und Dings

Drei Autorinnen der Unabhängigen Verlage lesen im Theatersaal des Westflügels.

Zuhören kann Babet Mader, die Autorin von »Dialoge«. Muss sie auch, da sie als Erste liest und ihr noch zwei Kolleginnen folgen: Heike Geißler von Spector Books mit »Saisonarbeit« und Marion Brasch, die ihr Buch »Die irrtümlichen Abenteuer des Herrn Godot« bei Voland & Quist »veröffentlichte, ja, der ganze Satz ist im Aus, geschrieben, wollte ich eigentlich sagen, natürlich veröffentlichte«, wie sich Bov Bjerg der Moderator ausdrückt. Sein einziger Versprecher heute Abend, den er auch noch wirklich charmant offenlegt.

Fast so charmant wie die Tulpen, die in einem Eimer vor dem schweren Holztisch stehen, an dem die Autorinnen und der Moderator sitzen. Obwohl die verwelkt seien, meint eine Besucherin, die auch die weißen Nachttischlampen auf dem Tisch unpassend findet, weil sie dabei an ein schwedisches Möbelhaus denken muss. Allerdings sei der Westflügel ein wunderschöner Ort. Ein nettes Kompliment, besonders aus dem Mund einer Bühnenbildnerin.

Babet Mader. © Open House Verlag
Babet Mader. © Open House Verlag

Die Stimmung bleibt insgesamt locker und auf Augenhöhe, so auch als Babet Mader ihrer Kollegin eine Wasserflasche öffnet. Aufmerksam nimmt die Autorin von »Dialoge« an der ganzen Veranstaltung teil. Mal mit weitem Blick, mal mit zusammengekniffen Augen. Mal verschwindet die Unterlippe im Mund, mal fletscht sie die Zähne. Doch was sie als aufmerksame Zuhörerin auszeichnet, wirkt während ihrer eigenen Lesung fast gespielt. Wenn sie und ihre Lesepartnerin Janine Gottwald »Dialoge« vortragen, wiederholen sich Mimik und Gestik erstaunlich oft. Maders Stirnfalten, die wie ein Blitz auf ihre Nasenwurzel zuschießen und die linke Hand, die Argumente auf einem Tablett anbietet, bilden dabei den Minutenzeiger ihrer Lesezeit. Andere Messgeräte scheinen jedoch rar. So muss der Moderator beispielsweise passen, als ihn Mader ganz unerwartet fragt, wie viel Zeit sie noch habe. »Wer kommt hier auf die Idee, dass ich irgendwas unter Kontrolle hätte?«, kontert Bjerg lässig und liefert der Autorin damit eine Steilvorlage für den Hinweis, dieser Dialog sei selbstverständlich improvisiert.

So entspannt der Abend auch verläuft, vor dem Hintergrund von »Saisonarbeit« bekommt das alles dann doch etwas Bitteres. Denn Heike Geißler schreibt über Dings, den »Allesverkäufer«, dessen Name nicht genannt werden darf. Und wie der Buchhändler René Pölzing denken darüber bestimmt einige: »Ich sag mal, ich hab noch nie bei Dings gearbeitet und ich hoffe auch, dass ich da nie arbeiten werde.« Zu den Lesungen will er aber nichts sagen, da er auch noch am Büchertisch aushilft und deshalb nur die Hälfte mitbekommt. Auch Maders Lesung hat er leider verpasst und kann deshalb nicht beurteilen, ob ihr Buch ganz gut ohne das Thema Dings auskommt. Was jedoch der Fall zu sein scheint, in Anbetracht der fröhlichen Reaktionen aus dem Publikum. Schließlich gibt es neben Kindererziehung, Party und Trennungsschmerz noch einiges, was sich zwischen vier Augen und zwei Menschen abspielt. Und dass Babet Mader ganz genau hinhört und so auch Unterschwelliges offenlegen kann, scheint ihr Talent zu sein.


Die Veranstaltung: Die Lesung der Unabhängigen Verlage (Erster Block, Saal), Mitwirkende: Marion Brasch, Heike Geißler, Babet Mader, Moderation: Bov Bjerg, Westflügel, 18.3.2016, 20 Uhr

Die Bücher:
Marion Brasch: Die irrtümlichen Abenteuer des Herrn Godot. Voland & Quist, Leipzig 2016, 160 Seiten, 18 Euro
Heike Geißler: Saisonarbeit. Spector Books, Leipzig 2014, 264 Seiten, 14 Euro, E-Book 9,99 Euro
Babet Mader: Dialoge. Open House Verlag, Leipzig 2015, 140 Seiten, 40 Farbabbildungen von Phillip Zwanzig, 18,00 Euro


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Der Rezensent: Philipp Moritz

 


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