Der FC Barcelona ist tot, es lebe der FC Barcelona!

Wie Fußballer einem sinkenden Stern neuen Glanz verleihen können.

Camp Nou, Barcelona. Im Stadion des FC Barcelona herrscht Stille. Nach 76 Minuten zeigt die Anzeigetafel 3:0 für den FC Bayern München, der am 1. Mai 2013 zum Halbfinalrückspiel der Champions League nach Katalonien reiste. Im Grunde hatte kein Fan der Blaugrana an eine Wende der 4:0-Niederlage im Hinspiel geglaubt. Doch dieses summierte 7:0 war selbst für die größten Optimisten der absolute Tiefpunkt. »Das Ende einer Ära – Bayern das neue Barça«, resümierte die »ZEIT«.

Zwei Jahre später. Wieder steigt das Halbfinalspiel gegen den FC Bayern München, wieder steht auf der Anzeigetafel im Camp Nou eine Drei und eine Null – nur fielen die Tore für die Mannschaft aus Katalonien. Mit einer beeindruckenden Leistung schlug Barça den deutschen Rekordmeister mit zwei Toren von Lionel Messi und einem Tor vom Brasilianer Neymar. Was konnte dazu führen, dass genau jener FC Barcelona, einst dem Untergang geweiht, nun seine Kritiker eines besseren belehrte?

Klaus Dermutz (l.) mit Leipzig-lauscht-Autor David Rentel. © David Rentel
Klaus Dermutz (l.) mit Leipzig-lauscht-Autor David Rentel. © David Rentel

Dieser Frage nahm sich der bekennende Barça-Fan Klaus Dermutz in seinem Buch »Barça. Evolution des Fußballs« an. Zu Beginn versucht er, den schleichenden Zerfall des FC Barcelona zu begründen und geht dabei auf die schwierige Zeit der Mannschaft ein, beginnend mit dem Jahr 2012. Wesentliche Punkte bilden dabei die Abschiede von Pep Guardiola und Carles Puyol sowie der tragische Tod Francesc Vilanovas, genannt »Tito«, im Jahre 2014. Den Wiederaufstieg des FC Barcelona versucht Dermutz mit einigen wesentlichen Veränderungen zu erklären, die sich im FC Barcelona im Jahre 2014 vollzogen. Der neue Trainer Luis Enrique, der mit Äußerungen wie »Der Führer hier bin ich« für Schlagzeilen sorgte, spielt dabei eine ebenso große Rolle, wie die »Reifung Messis« und die Integration des brasilianischen Stürmerstars Neymar.

Auch in seiner Lesung liegt das Augenmerkt von Dermutz auf dem Anteil der Spieler, der zum jüngsten Erfolg des FC Barcelona beitrug. Messi wird dabei zu einer handelnden Figur, die den in der Barça-Geschichte verloren geglaubten Pathos und die fast vergessene Euphorie zurückerobert.

Durch den Epilog, den Klaus Dermutz zum Schluss seiner Lesung zum Besten gibt, versteht der Leser erst recht, welch tragende Rolle der FC Barcelona für Katalonien und seine Fans spielt. Sei es Messi, der mit Kolumbus verglichen wird, oder der Dreizack Poseidons, verkörpert von Messi, Suarez und Neymar, der »auch in den kommenden Spielzeiten wieder (…) (zu)stoßen möge«: Dermutz zeigt deutlich auf, dass die Verehrung des FC Barcelona eine Herzensangelegenheit ist und über normale Fankultur hinaus ragt – auch und gerade in schlechten Zeiten. El Barça ha mort, visca el Barça!


Die Veranstaltung: Klaus Dermutz liest aus Barça Evolution des Fußballs, Österreich Kaffeehaus Halle 4, 20.3.2016, 12.30 Uhr

Das Buch: Klaus Dermutz: Barça Evolution des Fußballs. Klever Verlag, Wien 2015, 250 Seiten, 16,90 Euro


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Der Rezensent: David Rentel

 


 

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