Der Fantasy-Ösi und: Wie man Mörder abwehrt

Isabella Archan liest – nein, performt aus »Die Alpen sehen und sterben«.

In Markranstädt liegt ein kleines Feinkostgeschäft: das GenussAmt. Hohe Regale aus hellem Holz, bis oben hin gefüllt mit verschiedenen Weinen, Spirituosen, Schokoladen und anderen Genussmitteln bestimmen das Interieur. Der kleine Laden bietet an einem Tisch in der Mitte eigentlich nur zwölf Personen Platz. Eigens für die Lesung werden Fässer zu Tischen umfunktioniert, weitere Tische und Stühle werden herangerückt, über 30 Gäste können schließlich der Veranstaltung beiwohnen. Spontan kommen noch einige unangemeldete Gäste, für die keine Plätze reserviert sind. Wäre klar kommuniziert worden, dass vorab eine Reservierung vonnöten war, um an der Veranstaltung teilzunehmen, hätten solche Komplikationen vermieden werden können; allerdings werden sogar für diese Gäste noch Stühle gefunden und dazugestellt. Letztendlich beläuft sich die Zahl der Besucher auf beinahe 40.

Auch die Autorin Isabella Archan hat sich schon im Laden eingefunden. Angeregt plaudert sie bereits vor Beginn der Veranstaltung mit den Gästen und verleiht der kuscheligen Atmosphäre noch mehr Persönlichkeit. »Die Alpen sehen und sterben« ist bereits ihr achter Kriminalroman. Mit der Lesung im GenussAmt feiert er Buchpremiere, schließlich erschien er erst am Vortag der Veranstaltung. Für ihre Recherche, die sie sogar ins Darknet führte, arbeitete die Autorin mit einem Team aus Polizisten und Psychologen zusammen.

Die Veranstaltung beginnt kulinarisch: Verschiedene Weine aus Österreich werden vorgestellt und zur Probe bereitgestellt, es gibt Teller mit frischem Brot und verschiedenen Wurst- und Käsespezialitäten.

Amtlicher Verzehr. © Julia Sänger

Schon bald beginnt Isabella Archan, die Anwesenden durch eine frei vorgetragene Szene in das Setting hineinzuversetzen. Ein deutscher Tourist in Österreich, ein sogenannter Piefke (oder wie die Autorin ihn nennt: der »Fantasy-Österreicher«), bewegt sich durch seinen Urlaubsort, immer mit einem aus allen möglichen österreichischen Dialekten zusammengebastelten falschen Dialekt auf den Lippen. Sein jedermann nervendes Verhalten führt schließlich dazu, dass er ermordet wird: Auf diese Weise beginnt Archans Roman. Ein Mann wird ermordet, die einzige Zeugin ist die naive Mitzi, genannt »MörderMitzi«, die im Laufe der Zeit selbst in den Fokus der Ermittlungen gerät.

© Emons Verlag

Isabella Archan erklärt ihre Charaktere und die Welt, in der sie sich befinden, sie gibt Tipps, wie man so verrückt wirken kann, dass das selbst den hartgesottensten Auftragsmörder abwehrt und sie liest (oder spielt vielmehr) Passagen aus ihrem Roman. Das tut sie mit so ehrlichem Enthusiasmus und herzlichem Humor, dass ihre großartige Laune auch auf den letzten Gast überschwappt. Ihre Stimme ist dabei klar und kräftig, sie füllt den Raum bis in den letzten Winkel. Sogar ihre Hauptfigur Mitzi lässt die Autorin einmal sprechen und ein von dieser selbstkomponiertes Lied singen. Nach Ende der Lesung ist Isabella Archan offen für Fragen und Gespräche mit den Gästen. In die signierten Bücher zeichnet sie schließlich noch ein vierblättriges Kleeblatt. Denn das hilft gegen Mörder.

Beitragsbild: Isabella Archan im GenussAmt. © Julia Sänger


Die Veranstaltung: Isabella Archan liest aus Die Alpen sehen und sterben, GenussAmt Markranstädt, 22.3.2019, 19 Uhr


Das Buch: Isabella Archan: Die Alpen sehen und sterben. Emons Verlag, Köln 2019, 304 Seiten, 11,90 Euro, E-Book 9,49 Euro


 

 

 

Die Rezensentin: Julia Sänger

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